Himmelwärtsgottesdienst in der Petruskirche Steinen
mit Pfr. Ingo Meißner Lieder:
- NL+ 25: Du bist die Kraft, die mir oft fehlt (Alles bist du mir, Herr)
- FJ6 7: Alles tanzt CCLI-Nr.: 7160095
- FJ6 165: Heilig für immer CCLI-Nr.: 7216966
- FJ5 112: Whom Shall I Fear (God of Angel Armies) CCLI-Nr.: 6440288
- FJ6 150: Nur durch Christus in mir CCLI-Nr.: 7129715
- FJ6 219: Segen für deinen neuen Weg CCLI-Nr.: 6277592
CCLi Liedlizenz 5100265
Predigt zu „Kraft schöpfen – Geistlicher Muskelkater: was nun?“
Himmelwärtsgottesdienst
(12. Juli 2025, Pfr. Ingo Meißner, Evangelische Kirche Steinen)
Der Titel für heute ist ja: Kraft schöpfen. Und der Untertitel: «Geistlicher Muskelkater – was nun?» Lasst uns jetzt mal gemeinsam schauen, was im Thema so alles drin steckt und es schön, wenn ihr dann auch das ein oder andere wieder für euch persönlich mitnehmen könnt.
Muskelkater hat ja – wie das Wort schon sagt – mit Muskeln zu tun. Gibt es also so etwas wie geistliche Muskeln, die übersäuern können? Muskeln, die dann nicht mehr so funktionieren, wie wir uns erhoffen?
Ich denke schon. Natürlich im übertragenen Sinn verstanden. Es gibt diese Situation im Leben, wo der Glaube schon mal «schlaff» werden kann. Es sind diese Situationen, wo wir nichts mehr Großes von Gott erwarten und es passiert nichts. Oder nicht so, wie wir wollen. Dann werden wir ungeduldig und irgendwann denken wir: ach, was solls. Da greift Gott jetzt doch nicht mehr ein. Und man gibt auf zu Hoffen und zu Glauben.
Das kann beim Thema Krankheit so gehen. Wenn die erhoffte Heilung einfach nicht eintritt. Trotz aller Gebete, trotzt Glaube.
Oder die Arbeitssituation bessert sich einfach nicht.
Oder der Streit mit Nachbarn oder Kollegen geht immer weiter und zehrt an den Nerven.
Oder eine Beziehung verläuft nicht so, wie erhofft. Es bessert sich einfach nicht.
Oder meine negativen Erfahrungen mich immer wieder ein. Wo wir vielleicht negative Erfahrungen mit Beziehungen gemacht haben, Vertrauen durch Menschen zerstört wurde und es uns schwer fällt wieder neu auf Menschen zuzugehen, uns zu öffnen.
Und wir haben dann vielleicht Mühe, wieder einen Partner oder eine Partnerin oder auch ganz normale Freunde zu finden. Weil wir eben sind, wer wir sind und nicht einfach aus unserer Haut heraus können und einfach alles anders machen können. Will Gott dann nicht, kann Gott nicht eingreifen und helfen?
Da kommt unser Glaube immer wieder an seine Grenzen. Das kann auslaugen, mürbe machen. Und wir hören dann irgendwann auf, von Gott noch etwas zu erwarten.
Es gibt auch den Fall, dass wir uns geistlich überfordern können. Von allem ist ein Zuviel nicht immer gesund. Wie beim Sport.
Ich kenne Menschen, die gehen immer wieder auf christliche Konferenzen, hören viele Vorträge, viele Podcasts, nehmen jeden möglichen Gottesdienst mit. Auf der Suche nach immer neuen geistlichen Kicks, Inputs und Impulsen. Und dann kann es passieren, dass unsere Seele gar nicht mehr hinterher kommt, alles, was wir erfahren und hören zu verarbeiten. Es im Leben auch mal sacken zu lassen. Und nicht alles auf einmal auszuprobieren, sich geistlich unter hohen Druck setzen lassen und irgendwann merken: mein Glaube kommt nicht mehr mit. Bleibt auf der Strecke. Dann kann es sein, dass man sogar schon mal so eine Art geistlichen Muskelkater bekommt. Dass man sich unwohl fühlt, überfordert und dann zurückzieht. Bis hin, dass man das Thema Gemeinde und Glaube ganz aufgibt. Weil es viel zu anstrengend ist und überfordert.
Wenn der Glaube nicht mehr trägt.
Es gibt sogar in der Bibel prominente Beispiele, wo geistlich höchst aktive Menschen plötzlich ein geistliches Burnout kommen. Nicht mehr können und wollen. Und sogar ihr Leben beenden wollen. Einer davon ist der Prophet Elia.
Er kämpfte auf dem Berg Karmel geistlich intensiv gegen Baalspriester. Der Wettkampf war, dass ein für alle mal geklärt werden sollte, wer der wahre Gott ist: Baal oder der Gott Israels.
Gott siegte, indem er Feuer vom Himmel fallen liess und Baal schwieg einfach, obwohl die Baalspriester sich extrem anstrengten ihren Gott zum Handeln zu bewegen. Erfolglos.
Es war ein großer Sieg für Gott – und für Elia. Und doch musste er im Anschluss die Rache des Königs und der Königin fürchten, die auf der Seite der Baalspriester waren. Er floh in die Wüste, bis er nicht konnte. Setzte sich hin und wollte sterben. Er konnte nicht mehr. Seine geistliche Hoffnungs- und Glaubensenergie war aufgebraucht.
Und vielleicht geht es auch so.
Wenn wir betroffen sind von geistlicher Kraftlosigkeit, wenn wir geistlichen Muskelkater haben, wenn wir Gott nicht mehr als Kraftwuelle in unseren Leben erleben. Was kann uns da wieder neue Kraft geben?
Lasst uns ein paar Punkte anschauen, wodurch wir immer wieder neu Kraft bekommen können.
Kraft durch das Bewusstsein - Gott sieht dich und will dir voran gehen
Es ist immer wieder wichtig sich klar zu machen: auch wenn ich Gott nicht wahrnehme. Es heisst noch lange nicht, dass er mich nicht sieht.
Aber es kann sein, dass wir durch eine Wüste gehen, erschöpft sind. Und erst auf den letzten Drücker Gott uns begegnet.
Bei Elia begegnet Gott ihm in Form eines Engels. Er bekommt zu Essen und trinken. Wird geistlich gestärkt. Und er merkt so, dass Gott die ganze Zeit da war. Nur, dass er es nicht gemerkt hat.
Es gibt dieses berühmte Gedicht einem Traum nachempfunden. Wo im Traum ein Mensch am Strand geht und seine Lebens-Fussspuren sieht. Mal sind es zwei Spuren nebeneinander. Für die Person ist das ein Sinnbild: Gott war mit dabei, ging mit. Und dann gibt es Abschnitte, wo es nur eine Spur ist. Und die Person fragt sich: Wo war Gott? Warum musste ich alleine gehen?
Doch dann sagt ihr Gott zu: schau auf die Fusspuren. Sie sind viel tiefer als die anderen. In diesen Zeiten des Lebens habe ich dich getragen!
Es ist gut, sich immer wieder auch mal darüber Gedanken zum machen, wo ich im Leben schon Gutes erlebt habe. Vielleicht sogar wunderbare Dinge. Sich daran zurück zu erinnern.
Und sich klar zu machen: Gott hat immer wieder in meinem Leben gewirkt hat eingegriffen. Durch Menschen oder auch durch Umstände. Oder durch direkte Gotteserfahrungen.
Wo du, wie Elia gemerkt hast: ich bin nicht allein.
Und wo du dann sagen: vor wem oder was sollte ich mich fürchten, wenn Gott vor mir hergeht und hinter mir den Rücken freihält? Später singen wir ein Lied mit genau diesem Inhalt.
Wir haben nachher auch eine Station, wo wir auf einem Blatt Papier niederschreiben können, was uns bewegt. Dinge, die uns freuen, die uns Mühe machen. Und es Gott in Worten oder in einem Bild bringen. Oder uns auch daran zurückerinnern, wo uns Gott schon einmal helfend und ermutigend begegnet ist.
Und dadurch auch neue geistliche Kraft und Freude von Gott geschenkt zu bekommen.
Eine weitere Möglichkeit ist, sich das Leben Jesu vor Augen zu führen. Zu wissen: Jesus hat auch viel Schweres durchgemacht: Jesu wurde vom Teufel versucht, er hatte seine Wüstenzeiten. Jesus wurde angefeindet, seine Verwandten zweifelten einmal, ob er wirklich noch ganz klar im Kopf ist. Er hat gelitten. Wurde von seinen Freunden in seinen schwersten Stunden alleine gelassen. Ist gestorben.
Aber er ist an all dem nicht zerbrochen. Der Tod hatte nicht das letzte Wort über ihn. Er hat gesiegt. Und diesen Sieg können wir auch immer wieder neu für uns in Anspruch nehmen!
Im Hebräerbrief heisst es (4,15-16): Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte mit leiden mit unserer Schwachheit, sondern der versucht worden ist in allem wie wir, doch ohne Sünde. Darum lasst uns hinzutreten mit Zuversicht zu dem Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zu der Zeit, wenn wir Hilfe nötig haben.
Jesus Christus als Beispiel nehmen. Er ist ganz für uns, ganz für dich!
Oder noch eine Kraftquelle: Kraft durch Gemeinschaft.
Lass dich von Menschen geistlich ermutigen, glaube gemeinsam mit anderen, dass Gott auch dir helfen, dir beistehen kann.
Gemeinsam glauben. Der Wer christlicher Gemeinschaft zeigt sich auch dann, wenn du mal nicht mehr kannst.
Geh dann unter Menschen. Versuche es nicht mit dir alleine auszumachen. Dein Kraft reicht da vielleicht nicht dazu aus.
Lass dich von anderen mittragen. Dir helfen. Vielleicht auch nur, dass du Menschen hast, die dir einfach mal zu hören, ohne gleich immer alles besser zu wissen.
Du kannst auch für dich beten lassen. Andere stehen vor Gott für dich mit ein.
Nachher gibt es hinten wieder die Möglichkeit für sich beten zu lassen. Nimm es gerne in Anspruch.
Oder: Kraft durch Gebet und Stille
Beziehe Jesus aktiv in dein Leben ein. Suche die Stille, das Gebet. Das Gespräch mit ihm.
Jesus tat es auch immer wieder, dass er in die Stille ging und mit seinem Vater zu reden und neue Kraft zu bekommen.
Du kannst ihn dir auch darin zum Kraftvorbild nehmen.
Es gibt diese Ruhe, diese Kraftorte in deinem Umfeld.
Manchmal sind es offene Kirchen. Manchmal besondere Plätze in der Natur.
Oder andere Orte, wo du innerlich zur Ruhe kommen kannst. Und dann in der Ruhe Gott deine Anliegen zu bringen.
Vielleicht hast du in deinem Haus oder in deiner Wohnung einen schönen Ruheplatz? Oder in deiner Firma einen Ruheort, wo du dich kurz ausklinken kannst?
Ich hatte so was mal bei einem Job in der Vergangenheit. Und da gab es eine Erste-Hilfe-Raum, wo nie jemand war. Aber eine bequeme Liege. Zehn Minuten abliegen und ich hatte wieder neue Kraft!
Es gibt diese ruhigen Orte auch in deiner Nähe. Es lohnt sich, diese für dich zu entdecken und dann gezielt anzusteuern, wenn dir einmal die Puste ausgehen sollte. Und du dich dann in der Gegenwart Gottes wieder neu erfrischen lassen kannst.
Oder eine andere Möglichkeit: Kraft durch die Bibel
Du kannst in der Bibel lesen. Sie ist voller Kraftworte! Ein Kraftwort für mich ist immer wieder der Psalm 23. Der vom guten Hirten.
Oder die Worte des Vaterunsers, die Jesu seinen Jüngern beibringt. Ich bete es täglich.
Es gibt viele solcher Worte, durch die Gott uns ermutigen und stärken möchte. Worte des Zuspruchs. Worte, wo Gott uns Dinge verspricht. Und wenn du regelmässig im Wort Gottes unterwegs bist, werden dir immer mehr solche Kraftworte begegnen.
Du kannst gleich in der Zeit, in der Chris Musik spielt auch einfach darüber nachdenken, wo dir in der Bibel schon Kraftworte begegnet sind.
Eines dieser Kraftworte möchten wir dir im Anschluss an den Gottesdienst schenken. Du kannst es dann an einer Metallfläche mit der unsichtbaren Kraft eines Magnets festmachen. Zur Erinnerung.
Es ist ein Wort des Paulus aus dem Philipperbrief. Es heisst dort (4,13): „Alles kann ich durch Christus, der mir Kraft und Stärke gibt.“
Ein Kraftwort des Paulus. Für dich.
Oder: Kraft durch Musik. Mir persönlich hilft es auch immer wieder, wenn ich geistliche Lieder höre oder auch singe. Unterwegs bei Wanderungen oder zu Hause. Oder auch in Gottesdiensten. Musik und geistliche Lieder können eine ganz besondere Kraftquelle sein.
Viele hören Worshipmusik auch im Auto, im Bus oder Zug. Mit Kopfhörern im Ohr ist der Kreativität hier keine Grenze gesetzt.
Und wir können es nachher auch in Gemeinschaft tun: miteinander Gott im Lied loben und danken!
Jetzt haben wir viele Dinge gehört, die Kraft schenken können.
Bei vielen geht es ums Tun und machen.
Doch letztlich geht es nicht um das Tun. Das kann dann wieder in geistlichen Krampf und Muskelkater ausarten.
Letztlich ist unsere Kraft und unsere Stärke Jesus Christus allein. Er möchte in unseren Leben mitten dabei sein. Uns immer wieder nue mit seiner Gegenwart beschenken. Und erfüllen.
Nur durch Christus in dir, nur durch Christus in uns, bekommen wir von ihm immer wieder neue Lebensenergie, Kraft und Stärke für jeden Tag. Und jeden Tag neu. Und er ist nie weiter weg als ein Gebet.
Ich schliesse mit eine Liedvers eines Liedes, das wir nachher auch singen werden:
Die Nacht bricht an, doch ich bin nicht verlassen.
An meiner Seite ist und bleibt der Herr.
Ich schau auf ihn in Schwachheit und in Freude,
denn seine Kraft zeigt sich in meiner Not.
Ich bin gewiss: mein Hirte wird mich schützen,
durch das Tal des Todes führt er mich.
Ja, die Nacht ist besiegt und die Sorge verfliegt
nicht durch mich, nur durch Christus in mir.
An meiner Seite ist und bleibt der Herr.
Ich schau auf ihn in Schwachheit und in Freude,
denn seine Kraft zeigt sich in meiner Not.
Ich bin gewiss: mein Hirte wird mich schützen,
durch das Tal des Todes führt er mich.
Ja, die Nacht ist besiegt und die Sorge verfliegt
nicht durch mich, nur durch Christus in mir.
Amen