Rogate

- 25.05.2025 - 

Beten in Jesu Namen

Sonntagsgottesdienst mit Abendmahl in der Petruskirche Steinen
mit Prädikantin Ingrid Wagner
 
Psalm 121
(EG 765)
 
Predigt: Beten in Jesu Namen
(Johannes 16, 23b - 28, 33)
 
Lieder:
  • EG 440: All Morgen ist ganz frisch und neu CCLI-Nr.: 4897857
  • SgidH 157: Vater, ich danke dir (Wer bittet, dem wird gegeben) CCLI-Nr.: 4330156
  • SgidH 174: In der Stille angekommen (Beten) CCLI-Nr.: 4335371
  • NL+ 152: Wohin sonst (Herr, wohin sonst sollten wir gehen) CCLI-Nr.: 4681159
  • FJ2 54: Würdig das Lamm, das geopfert ist CCLI-Nr.: 4327774
  • EG 645: Gott hört dein Gebet (Wenn die Last der Welt) CCLI-Nr.: 5515413
CCLi Liedlizenz 5100265
 
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Predigt zu Johannes 16, 23b - 28, 33 „Beten in Jesu Namen“

(25. Mai 2025, Prädikantin Ingrid Wagner, Evangelische Kirche Steinen)
 
Liebe Gemeinde,
 
miteinander reden stärkt und festigt eine Beziehung. Und je vertrauter wir miteinander sind, umso leichter fällt es uns, zu sagen, was wir wirklich auf dem Herzen haben.
Eine Bitte kommt uns dann viel leichter über die Lippen. Wie oft am Tag sagen wir:“ Kannst du mal bitte...!“ Je sprachloser wir miteinander werden, umso schwerer fällt uns auch das Bitten. Manchen Menschen fällt es überhaupt schwer andere um etwas zu bitten. Sie wollen nicht von anderen abhängig sein, nicht einmal von den eigenen Kindern.
 
Unser heutiger Predigtabschnitt ist eine wichtige Botschaft von Jesus an seine Jünger. Jesus bereitet sie auf eine neue Situation vor. Denn Ostern wird alles bisherige auf den Kopf stellen. Aber das ist seinen Jüngern noch verborgen. In einer seiner letzten Reden sagt er ihnen folgendes:
 
Johannes 16, 23b-28,33 Basisbibel
Amen, amen, das sage ich euch:
Alles, worum ihr den Vater in meinem Namen bittet, das wird er euch geben!
Bis jetzt habt ihr in meinem Namen noch um nichts gebeten.
Bittet- und ihr werdet es bekommen. Dann wird eure Freude vollkommen sein!
Ich habe euch das alles in Gleichnissen gesagt. Es kommt die Stunde, wenn ich nicht mehr in Gleichnissen zu euch reden werde. Dann werde ich zu euch offen und unverhüllt vom Vater reden.
An dem Tag werdet ihr in meinem Namen bitten.
Aber ich sage nicht, dass ich den Vater dann für euch bitten werde.
Denn der Vater selbst liebt euch ja, weil ihr mich geliebt habt.
Und ihr seid zum Glauben gekommen, dass ich vom Vater bin.
Ja, vom Vater her, bin ich in diese Welt gekommen. Jetzt verlasse ich diese Welt wieder und gehe zum Vater zurück.
Das habe ich euch gesagt, damit ihr bei mir Frieden findet.
In dieser Welt müsst ihr Leid und Schmerz aushalten.
Aber verliert nicht den Mut: Ich habe diese Welt besiegt!
 
Jesus kündigt eine neue Zeit an. Sie beginnt mit seinem Tod am Kreuz und seiner Auferweckung. Das „bisher“ ist vorbei.
„Bis jetzt habt ihr in meinem Namen noch um nichts gebeten“, sagt ihnen Jesus. Warum auch? Jesus war ja bei ihnen. Sie konnten ihn immer fragen und um alles bitten.
Wie es ohne ihn sein könnte, das war für sie nicht aktuell. Auch nicht vorstellbar.
 
1. Wer betet, wird erhört.
„Alles worum ihr den Vater in meinem Namen bittet, wird er euch geben!“
 
Dieser Satz ist gewaltig und hat es in sich. Und dass Jesus ihn durch das doppelte Amen noch bekräftigt, zeigt seine Wichtigkeit. Wer betet, wird erhört!!! Jesus sagt das ohne Einschränkung. Und Jesus sagt es nicht nur hier an dieser Stelle.
Auch in der Bergpredigt sagt er seinen Zuhörern: „Bittet, so wird euch gegeben.
 
In Notsituationen brauchen wir nicht extra dazu aufgefordert werden zu bitten. In solchen Situationen fangen auch glaubensfernere Menschen zu Beten an. Und wie viele Stoßgebete und Stoßseufzer es wohl schon gegeben hat.
Für viele von uns hat das Gebet einen festen Platz im Tagesablauf.
Wir beten am Morgen, vor dem Essen oder am Abend. Manchmal auch zwischendurch.
Unsere Gebete sind unterschiedlich: mal kürzer, mal länger. Und manchmal wiederholen sie sich auch. Gute Gewohnheiten, feste Abläufe sind durchaus hilfreich, doch kann unser Beten zur Routine werden.
Beten ist aber mehr als eine gute Gewohnheit.
Mehr als eine Notrufnummer für unser Leben.
Beten ist die zentrale Lebensäußerung unseres Glaubens.
Und beim Glauben geht es um eine Beziehung: eine Vertrauensbeziehung zwischen Gott und uns.
Gott verspricht uns seine Liebe und Treue und freut sich, wenn wir ihm antworten, indem wir ihm von ganzem Herzen vertrauen.
Der Lebensatem dieser Beziehung ist das Gebet.
Jesus möchte, dass wir die Beziehung, die er uns zu Gott schenkt, mit Leben füllen.
Wir dürfen mit Gott reden, wie ein Kind mit dem Vater, und zwar über alles. Und genau dafür möchte uns der Sonntag Rogate ganz neu die Augen öffnen.
Für ein Beten nach dem Herzen Gottes.
Für ein Beten, das viel mehr ist als Routine oder Notruf.
Für ein Beten, das uns mit Gottes Segen erfüllt und uns im Glauben wachsen lässt.
 
Noch war das Reden von Jesus für die Jünger ein Rätsel, kaum zu verstehen oder zu begreifen. Aber bald bricht eine neue Zeit an mit unbegrenzten Möglichkeiten.
Die Jünger werden erfahren: wenn sie im Namen Jesus beten, werden sie erhört.
 
2. Beten in Jesu Namen
„Amen, amen, das sage ich euch:
Alles, worum ihr den Vater in meinem Namen bittet, das wird er euch geben!“
 
Nicht nur einmal, sondern gleich dreimal fordert Jesus zum Beten in seinem Namen auf.
Was heißt das? Es geht nicht um eine Formel, die wir beschwören oder beteuern müssten.
Oder, dass wir jedem unserer Gebete die Worte “in Jesu Namen“ anhängen.
Es geht um mehr. Mit dem Namen geht es zugleich um die Person.
Datenschutz ist ein wichtiges Thema in unserer Gesellschaft. Viele Menschen sind sehr sensibel, wenn es um ihre persönlichen Daten geht. Selbst unseren Namen geben wir nicht gerne jedem gleich weiter. Denn mit unserem Namen geben wir anderen ein Stück Einflussmöglichkeit über uns.
Jesus, der Sohn des lebendigen Gottes, gibt uns nicht nur seinen Namen.
Jesus gibt alles- sein ganzes Leben-für uns. Jesus wurde einer von uns, um sich mit uns zu verbinden.
Wenn Jesus vom „Beten in seinem Namen“ spricht, dann hat er genau diese Verbindung zwischen ihm und uns im Blick.
Beten in Jesus Namen - das können Menschen, die ihm persönlich begegnet sind. 
Die in ihrem eigenen Leben erfahren haben: In diesem Jesus begegnet mir der lebendige Gott selbst. Der Gott, dem ich nie von mir aus nahen könnte, weil mich meine Schuld und mein Versagen von ihm trennen.
In Jesus kommt dieser heilige und gerechte Gott voller Liebe auf mich zu. In ihm vergibt er mir meine Schuld. In Jesus Christus versöhnt er mich mit sich.
Ja, in ihm, in Jesus, versetzt er mich in ein ganz neues Verhältnis zu sich.
Da wird er mein Vater im Himmel und ich sein geliebtes Kind.
Keiner hat dieses liebevolle und vertrauensvolle Verhältnis zwischen Gott und uns mehr vorgelebt als Jesus, der hier redet.
Keiner hat dem Vater im Himmel mehr vertraut als er. Keiner war gehorsamer als er.
 
Wenn Jesus uns einlädt, in seinem Namen zu beten, dann lädt er uns ein mit ihm zusammen in dieses innige Verhältnis zu Gott als unserem Vater hineinzutreten- 
nicht nur einmal am Tag, nicht nur hin und wieder, sondern eigentlich ständig.
Beten in Jesus Namen, das heißt: Beten wie er! Verbunden mit ihm! Versöhnt durch ihn!
 
Im Namen Jesus zu beten, heißt dann aber auch Gebete vor Gott zu bringen, die Jesus unterschreiben würde. Also Gebete, die im Einklang mit Gottes Willen sind.
Dazu brauchen wir eine enge Beziehung zu Jesus und dem Wort Gottes.
 
3. Gottes Liebe zu uns zeigt sich in Jesus
In Jesus ist Gottes Liebe zu uns zur Tat, zur Person geworden. Gottes Liebe zu uns ist klar sichtbar. Gerade deshalb sollten wir uns ihm mit unserem ganzen Leben vertrauensvoll zuwenden
Für die Jünger neigt sich die gemeinsame Zeit mit Jesus dem Ende zu. 
Doch er hinterlässt ihnen dieses Verhältnis zu Gott, als ihrem Vater, das er ihnen selbst vorgelebt hat. „Der Vater liebt euch ja, weil ihr mich geliebt habt, sagt Jesus.
 
Ein Anliegen vorzubringen, kann in der heutigen Zeit nervtötend sein. Ob beim Arzt, auf einem Amt oder einer Firma-endlos lange sind wir in der Warteschleife, beschallt von Musik und einer Bandansage, die uns zu Geduld auffordert. Oft legen wir genervt wieder auf.
Und die wirklich wichtigen Leute bekommt man sowieso nicht ans Telefon.
 
Bei Gott, unserem Vater ist es anders. Er ist für uns immer gesprächsbereit. Er lässt uns nicht in der Warteschleife hängen. Bei ihm haben wir freien Zugang. Nicht als Bittsteller, sondern als Kinder. Audienz beim Allerhöchsten - ohne Wartezeit.
 
Jesus ermutigt uns: Lasst euch diese Liebe Gottes gefallen. An jedem Tag, in jeder Lebenslage, in jedem Augenblick.
Nutzt jede Gelegenheit mit ihm in Verbindung zu treten. Redet mit ihm über alles, was euch bewegt.
 
Beten ist das Atemholen der Seele in der Gegenwart Gottes. In seiner Ewigkeit. 
Wir dürfen in jeder Lage spüren und erleben: Ich bin ein geliebtes Kind meines Vaters im Himmel. Durch Jesus bin ich von Gott angenommen. Durch ihn mit Gott versöhnt.
Beten ist viel mehr als nur unsere Bitten vorzutragen. Beten heißt, die Liebe Gottes erfahren und erleben.
 
Auch dort, wo nicht all meine Wünsche in Erfüllung gehen, gilt mir Gottes Liebe.
Auch dort, wo mein Leben nicht nach Wunsch verläuft; wo Schwierigkeiten und Unbegreifliches meinen Weg kreuzen, muss ich nicht verzweifeln.
 
Auch dort, wo meine Gebete nicht so erhört werden, wie ich es mir vorgestellt habe, steht über meinem Leben: Der Vater liebt euch ja, weil ihr mich geliebt habt.
Wir müssen nicht zweifelnd fragen, wie Gott es im tiefsten Herzen mit uns meint.
In Jesus Christus sehen wir Gott ins Herz!
 
4. Vollkommene Freude
Jesus verspricht, dass jedes Gebet in seinem Namen von Gott erhört wird.
Gott wird unser Gebet aber nicht immer so erhören, wie wir es uns vorstellen oder wünschen. Aber erhören wird er es in jedem Fall. Seine Gedanken sind höher als unsere Gedanken. 
Seine Gedanken sind immer Gedanken des Heils und darum fallen Gebetserhörungen oft so ganz anders aus, als wir es in unserer Kurzsichtigkeit gerne hätten.
Es ist gut, wenn wir unsere Anliegen vor Gott bringen, wie es uns gerade ums Herz ist.
Aber ihm dann die Art und Weise der Erhörung überlassen.
Er weiß, was für uns das Beste ist.
Bittet - und ihr werdet es bekommen. Dann wird eure Freude vollkommen sein!
Gottes tiefster Wunsch ist es, unser Herz mit seiner Freude zu erfüllen. 
Nicht mit einer kurzlebigen Freude, die für ein paar Stunden anhält, sondern mit einer nie endenden Freude.
Um diesen Segen bringen wir uns, wenn wir das Gebet vernachlässigen. Wenn wir uns keine Zeit für Gott nehmen.
 
Wir bringen uns damit auch um den Segen des Wachstums im Glauben und in der Erkenntnis Gottes. Nur wer viel Umgang mit ihm hat, lernt ihn auch immer besser kennen. 
Und nur wer ihn immer besser kennenlernt, wird ihm auch völliger vertrauen und alles überlassen, in dem Wissen, dass er es recht macht.
 
5. In der Welt habt ihr Angst
Wir leben in einer Welt die uns Angst machen kann. Von Leid und Schmerz bleiben auch wir nicht verschont.
Doch Jesus sagt uns: “Habt Mut, ich habe diese Welt überwunden. Mit mir zusammen steht ihr auf der Siegerseite!“
Wir dürfen den Sieg Jesus in unseren Alltag mit hineinnehmen. In unsere Schwierigkeiten, Belastungen, Anfechtungen und Ängste.
Jesus ist stärker als alles, was uns aus seiner Nähe vertreiben will.
In Jesus Namen gewinnt unser Beten eine neue Weite.
Wir erfahren mitten in unseren Grenzen seine grenzenlose Kraft. Er will uns Frieden schenken, inmitten einer friedlosen Welt. Was auch immer um uns herum passiert.
Wenn wir in unserem Innern diesen tiefen Frieden spüren, dann dürfen wir wissen:
„Gott ist am Werk.“ Darauf können wir uns verlassen. Alles andere dürfen wir dann getrost ihm überlassen.
 
Amen.