Himmelwärtsgottesdienst in der Petruskirche Steinen
mit Pfr. Ingo Meißner
mit Pfr. Ingo Meißner
Predigt: Reichtum: Christsein und reich – geht das?
(Epheser 1,4-11 / Galater 5,22-23)
Lieder:
- SgidH 134: Wie ein Hirsch lechzt nach frischem Wasser CCLI-Nr.: 5275368
- Superstar (Gott hat mich in sein Herz geschlossen) CCLI-Nr.: 4971917
- FJ6 165: Heilig für immer CCLI-Nr.: 7216966
- SgidH 152: Wasser des Lebens (Soweit) CCLI-Nr.: 4330118
- SgidH 1: All die Fülle ist in dir CCLI-Nr.: 4336851
- FJ6 219: Segen für deinen neuen Weg CCLI-Nr.: 6277592
CCLi Liedlizenz 5100265
Predigt zu Epheser 1,4-11 / Galater 5,22-23 „Reichtum: Christsein und reich – geht das?“
Himmelwärtsgottesdienst
(10. Mai 2025, Pfr. Ingo Meißner, Evangelische Kirche Steinen)
Superreiche Menschen. Wir haben eben eine Reihe davon gesehen. Bezos, Musk und Co. sind medial sehr präsent. Man sieht sie immer wieder. Und ihr Reichtum ist legendär. Kommt zwar nicht ganz den von Dagobert Duck ran, doch ist es menschlich gesehen kaum zu überbieten. Oder doch?
Über Geld spricht man ja bekanntlich nicht. Man hat es – oder eben nicht. Und unzählige Menschen haben davon viel zu wenig und hätten gerne auch einen Anteil großen Geldkuchen dieser Welt.
Bei Youtube gibt es poppen immer wieder diese Werbefilme auf, wo irgendwelche eher schlichteren Leute auf einer Yacht, in einem Sportwagen, in einer dicken Limousine oder vor dem Pool einer Villa sitzen und versprechen, dass jeder das haben könne. Jeder, der ihr Buch kauft, in dem die ganzen Geheimnisse des Reichwerdens enthalten sind.
Money makes the world round. Und wer das Money hat, hat neben der Kohle in der Regel auch Grundbesitz, Gebäude, aber auch Ansehen, Ruhm, Bedeutung, viele Freunde, viele Likes. Auch ansonsten eher schratige und alte Männer haben plötzlich atraktive junge Frauen an der Seite.
Es gibt ja diesen Spruch: Pech im Spiel – Glück in der Liebe. Böse Zungen sagen da lieber: wer Glück im Spiel hat, hat dann auch das Geld für die Liebe. Geld macht eben vieles möglich, wovon andere nur träumen. Und viele Christen schwimmen auf dieser Money-Welle mit.
Es gibt sogar eine theologische Richtung, die das richtiggehend predigt. Das sogenannte Wohlstandsevangelium, oder auf Englisch: «Prosperity Gospel». Bekannte Pastoren der Bewegung sind da z.B. Kenneth Copeland, Jesse Duplantis und die auch in Europa mittlerweile über ihren Fernsehkanal sehr bekannte Joyce Meyer.
Sie sagen sinngemäss: gib und du wirst mehr bekommen. Gott verheisst es. Und wer wenig hat, gab eben wenig. Sie sagen: «Am besten spende an mich und meine Gemeinde und erfahre, wie Gott seinen finanziellen Segen auf dich herabkommen lässt und du vielfältig zurück bekommst.»
Diese Form der Frömmigkeit ist eine überspitzte Version der Theologie des Johannes Calvin. Der, der ein Zeitgenosse von Zwingli und Luther war. Calvin sagte damals sinngemäss: an dem Grad deines Wohlstands kann man erkennen, wie gottgefällig du gelebt hast. Weil Gott den Frommen, den besonders „Gläubigen“ auch besonderen Segen zuteil werden lässt. Ihn für sein frommes, mildtätiges und arbeitsreichen Lebens mit materiellem und sozialem Wohlstand segnet, gewissermaßen belohnt. Doch der Grad des materiellen Segens ist eben kein Ausweis größerer Frömmigkeit.
Glaube und Wohlstand sind eben kein geistlicher Mechanismus. Sonst würden ja alle Menschen, die die materiell arm sind, nicht richtig glauben. Und das ist biblisch gesehen Quatsch.
Nirgendwo in der Bibel gibt es einen generellen Automatismus von „gläubig zu reich“. Asaph, einer, der verschiedene Psalmen geschrieben hat, regt sich in Psalm 73 sogar darüber auf, dass es den Reichen so gut geht, obwohl sie nichtnach Gott fragen. Und er fristet ein Dasein in Spott und finanzieller Bescheidenheit, obwohl er mit ganzen Herzen Gott nachfolgt.
Und wenn wir im Neuen Testament auf Jesus und seine Jünger schauen, waren sie nach weltlichen Maßstäben eher arm. Sie zogen umher, mussten schauen, wo es was zu essen und zu trinken gab und waren darauf angewiesen, dass sie bei Menschen hier und dort unterkamen.
Auch die Christen in der Jerusalemer Urgemeinde waren zu Paulus Zeiten als „die Armen“ bekannt und finanziell so bedürftig, dass Paulus die Missionsgemeinden zu Spenden für die Armen in Jerusalem aufforderte.
Will Jesus nun, dass wir am besten alle arm sind? Ist dann das Gegenteil von Reichtum das Richtige? Darf es keine reichen Christen geben? Christsein und reich sein – geht das überhaupt? Doch, darf es schon. Und man kann auch viel Gutes mit dem lieben Geld anstellen und Bedürftige unterstützen.
Aber weltlicher Reichtum ist vergänglich. Das erklärt Jesus auch mit der Geschichte vom verlorenen Sohn. Reichtum kann schnell vergehen. Und wer viel Geld hat, wird nicht automatisch immer reicher (Lk 15).
Je nach Lebensumständen kann das liebe Geld oder der Besitz schneller wieder weg sein als einem lieb ist. Immer wieder passiert es auch heute noch, dass bei einer Scheidung das spitz auf Knopf finanzierte Haus plötzlich weg ist und dann eine finanzielle Abwärtsspirale in Gang kommt, aus der so mancher nicht mehr rauskommt.
Und Jesus sagt mit anderen Geschichten über das liebe Geld, dass spätestens mit dem Tod das alles egal sein wird. Wir können nichts von unserem Ruhm, von unserem Besitz in das Reich Gottes hinüberretten, dass es uns dort etwas nützt. So die Geschichten vom Reichen Mann und armen Lazarus (Lk16,19ff) oder auch vom reichen Kornbauern. Oder auch vom reichen Jüngling. Jesus sagt: „reich sein ist ok. Kein Problem. Aber häng nicht dein Herz dran. Und teile deinen Reichtum mit anderen.“ Denn: Woran wir unser Herz hängen, dass wird unser Gott.
Doch wenn es im Reich Gottes nicht sehr auf materiellen Reichtum ankommt. Was ist denn sonst der Reichtum, den Gott uns zukommen lassen möchte? Gott will uns nämlich sehr wohl reich machen. Biblisch gesprochen „uns segnen“. Und viel Gutes zukommen lassen. Es Kann auch Geld sein, aber viel wichtiger sind Gott andere Dinge, mit denen er uns reich beschenken möchte.
Apostel Paulus schreibt jubelnd im Brief an die Gemeinde in Ephesus gleich zu Beginn in Vers 3:
„Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit jedem geistlichen Segen in den himmlischen [Regionen] in Christus“
Bei Reichtum im Sinn Gottes geht es vor allem um geistlichen Reichtum. Um geistliche Gaben. Um seinen Segen. Geistlicher Reichtum. Wo wir auch im Innersten merken dürfen, wie gut Gott uns gesinnt ist.
Was ist nun dieser besondere Reichtum, der Ewigkeitswert hat? Der nicht an der Schwelle des Todes endet?
Hier schauen wir uns nun zwei Bibelstellen etwas genauer an. Die erste ist im Brief an die Epheser zu finden. Paulus schreibt dort in Epheser 1, in Versen 4-5:
«Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus! Er hat uns gesegnet mit allem Segen, der von seinem Geist erfüllt ist. Im Himmel hält er ihn für uns bereit. Denn wir gehören zu Christus.
Weil wir zu ihm gehören, hat Gott uns bereits erwählt, bevor die Welt erschaffen wurde.
Denn wir sollen heilig und makellos vor ihn treten können in der Liebe. Er hat uns im Voraus dazu bestimmt, seine Kinder zu werden. Durch Jesus Christus hat er uns dazu gemacht, und zu ihm sollen wir gehören. So gefiel es Gott, und das war sein Wille.»
Also: wir sind reich, weil wir Gottes Kinder sein dürfen. Wir gehören zu ihm. Sind Teil seines Gewinnerteams. Wir gehören zu ihm. Und niemand und nichts kann uns aus seiner Hand reissen. Nur wir selbst können sagen: ich will mit Gott nichts zu tun haben. Wir können uns selbst aus seiner Hand nehmen. Indem wir ihn links liegen lassen und ihn den lieben Mann im Himmel sein lassen. Aber von ihm aus würde er uns nicht loslassen…
Was für ein großer Reichtum! Was für ein großes Versprechen! Und wenn wir Dinge tun, die in Gottes Augen nicht in Ordnung sind. Dann haut er nicht drauf, schickt uns nicht weg.
Paulus schreibt weiter in den Versen 7-8:
«Weil wir zu Jesus gehören, schenkt Gott uns durch sein Blut die Erlösung. Damit schenkt er uns zugleich die Vergebung unserer Verfehlungen. So reich ist seine Gnade. Er gewährt sie uns über jedes Maß hinaus und schenkt uns alle Weisheit und Einsicht.»
Also: wir haben Vergebung der Sünden - die Trennung zwischen Gott und Mensch ist aufgehoben. Wir können das immer wieder bekennen und in Anspruch nehmen. Und haben damit immer wieder enge Gemeinschaft mit ihm und er mit uns. Wir bekommen Anteil am „Reichtum seiner Gnade“.
Und echte Freiheit von Schuld und Sünde ist möglich: „Wen der Sohn Gottes frei macht, der ist wirklich frei!“ Davon hatten wir es letztes Jahr im Oktober beim Himmelwärts-Gottesdienst zum Thema „Freiheit“.
Und Paulus beschreibt im Epheserbrief noch ein drittes Geschenk, eine göttliche Gabe. In Vers 11 heisst es:
„Weil wir zu Christus gehören, wurden wir als Erben eingesetzt – so wie Gott es für uns im Voraus bestimmt hat.“
Also: Wir sind Erben seines Reiches - nicht nur weitläufig Bekannte, sondern dürfen einmal sein Himmelreich bewohnen. Bürger der neuen Welt, wie es an anderer Stelle heisst. Er ehrt und adelt uns dadurch und traut dir und mir Großes zu!
Eine weitere Stelle, bei der es um Reichtum und Segen Gottes geht, findet sich im Brief an die Galater.
Paulus schreibt hier im 5. Kapitel die bekannten Verse 22-23. Dort heisst es:
„Der (Heilige) Geist bringt als Ertrag: Liebe, Freude und Frieden, Geduld, Güte und Großzügigkeit, Treue, Freundlichkeit und Selbstbeherrschung.“
Also: Gott möchte uns durch seinen Heiligen Geist reich beschenken mit vielen Dingen, die unser Leben wirklich reich machen und die auch Auswirkungen in unserem Umfeld haben.
Liebevoll, uneigennützig handeln zu können. Eher den anderen sehen zu können, als egoistisch nur nach mir selbst zu schauen. Eine Gabe des Heiligen Geistes.
Inneren Frieden zu haben. Frieden mit mir selbst, eine innere Ruhe zu spüren, auch in stürmischen Lebenssituationen, die ich mit selbst nicht einreden kann. Wo ich im Frieden mit mir selbst und anderen leben kann.
Eine Gabe des Heiligen Geistes.
Freude. Eine tiefe Freude, die mich immer wieder erfüllt und auch an grauen Lebenstagen innerlich die Sonne scheinen lässt. Eine Freude, die von innen kommt und nach aussen strahlt.
Eine Gabe des Heiligen Geistes.
Geduldig sein zu können. Geduldig mit dir selbst und mit anderen. Beides fällt uns manchmal schon sehr schwer. Geht mir zumindest so.
Aber der Heilige Geist möchte es uns immer wieder schenken.
Oder gütig zu handeln. Gerne anderen vergeben zu können. Auch wenn es die Person vielleicht gar nicht verdient hat.
Eine Gabe des Heiligen Geistes.
Und großzügig sein zu können, freundlich zu handeln und sich nicht immer wieder gehen zu lassen, sondern sich selbst beherrschen zu können.
Alles eine Gabe des Heiligen Geistes. Segen pur, den Gott uns reichlich zukommen lassen möchte. Ein geistlicher Reichtum, ein geistlicher Schatz, so unendlich viel wertvoller als alles Geld und alle Besitztümer dieser Welt.
Und wir dürfen diesen Segen Gottes, seinen Reichtum immer neu in Anspruch nehmen.
Wir dürfen uns Gott hinhalten, ihn einladen und darum bitten: „Herr schenke du mir immer wieder neu diese besonderen geistlichen Geschenke. Lass mich immer wieder neu das in Anspruch nehmen und es erleben und spüren, wie reich du uns beschenken möchtest!“
Doch so häufig fühle wir uns wie ausgetrocknet. Geht mir auch als Pfarrer so. So bedürftig. Dass wir eben diesen Frieden, diese Güte, diese Liebe, die Geduld, Großzügigkeit, Treue und Freundlichkeit nicht in mir spüre oder lebe.
Das sieht es in unserem Leben eher hart und trocken aus. Wir schwelgen nicht im Reichtum Gottes, sondern krebsen eher so vor uns hin. Da fühlen wir uns wie ein harter trockener Schwamm. Kratzig. Unangenehm. Wiederborstig. Friedlos und freudlos. Kennt ihr diese Naturschwämme aus dem Meer? Steinbockelhart, wenn sie trocken sind.
Und wir sehnen uns die Frische des Heiligen Geistes herbei. So wie ein Hirsch, lechzt nach frischen Wasser. Wie wir es vorhin gesungen haben. Wir sehnen uns danach, uns gewissermaßen mit dem Wasser des Heiligen Geistes vollsaugen zu können. Wir dann vollgesogen sind mit all dem Guten, wovon wir eben gehört haben.
Dass wir wieder weich und geschmeidig werden, angenehm anzufassen. Und wir sogar für andere angenehm werden. Positive Ausstrahlung gewinnen. Dass wir von Wasser, vom Segen Gottes wieder ganz neu tropfen. Und nicht nur etwas haben. Sondern mehr als genug. Wie es im Psalm 23 heisst: „mein Becher fliesst über“.
Gottes guter Geist kann auch dich heute wieder ganz neu füllen. Dich reich beschenken. Deinen vielleicht trockenen Lebensschwamm wieder mit Saft, Kraft und Lebensfreude füllen.
Wenn du das möchtest – wie kann das gehen?
Durch Singen. Wie vorhin und durch Lieder, die jetzt noch kommen. Wo wir Jesus Christus um dieses Wasser bitten, dieses Lebenswasser bitten. Und wir dann dankend bekenn können: alle die Fülle ist dir oh Herr.
Zu Gott singend beten. In diesem Gottesdienst. Oder auch zu Hause, wenn wir über CD oder Spotify christliche Lieder anhören. Oder im Auto. Uns mit guten Liedern füllen lassen.
Wir können auch so zu Gott beten und ihn bitten: „Herr, fülle du mich wieder neu. Mit deinem Segen. Mit Deinen Reichtum. Mit dem, wo ich mich im Augenblick wie ausgetrocknet fühle. Ich brauche dich!“
Du kannst auch zur Gebetsstation gehen, und für dich beten lassen. Für diesen Segen, dieses Lebenswasser.
Oder du kannst zu Tina gehen. Sie bietet dir eine besondere Art von Segen an: du darfst dich von ihr umarmen lassen. Und so im übertragenen Sinn Gottes Segen, seine Annahme, seine Liebe spüren und erleben. Ist vielleicht etwas ungewöhnlich. Aber probier es gerne aus. Eine Gratisumarmung für dich. Die von Herzen kommt.
Oder du kannst an den Taufstein kommen. Die Taufschale ist mit Wasser gefüllt. Es liegen kleine Schwämmchen bereit und ein Blatt, auf dem die eben erwähnten Reichtumspunkte nochmals stehen. Du kannst dann betend den Schwamm nehmen, ihn mit Wasser vollsaugen lassen und spüren und lesen, wie Gott dich wieder nue füllen möchte. Im Anschluss kannst du das Blatt und Schwämmchen mit nach Hause nehmen. Kleine Tüten liegen auch parat. Als Erinnerung und Zeichen der überreichen Gnade, Güte und Liebe Gottes für deinen „Lebensschwamm“.
Also, wenn du magst: nimm den Reichtum Gottes in Anspruch. Hier und heute. Es kostet nichts!
Der Herr segne dich: mit dem Reichtum seiner Gnade!
Amen