Quasimodogeniti

- 27.04.2025 - 

Lebendige Hoffnung

Sonntagsgottesdienst mit Taufe in der Petruskirche Steinen
mit Prädikantin Ingrid Wagner
 
mit dem Kinderchor der ev. Kirchengemeinde Steinen
unter der Leitung von Anja Maurer 
 
Lesung: Kinderevangelium
 
Predigt: Lebendige Hoffnung
(1. Petrus 1, 3 - 7)
 
Lieder:
  • Singt laut!: Singt laut!
  • EG 331: Großer Gott, wir loben dich CCLI-Nr.: 4334482
  • NL+ 201: Vergiss es nie (Du bist gewollt kein Kind des Zufalls) CCLI-Nr.: 5345920
  • Singt laut!: Vater unser
  • SgidH 91: In Christus ist mein ganzer Halt CCLI-Nr.: 5292994
  • SgidH 122: Mein Jesus, mein Retter (Ruft zu dem Herrn) CCLI-Nr.: 5172193
  • SgidH 65: Jesus, dein Licht (Herr, das Licht deiner Liebe leuchtet auf) CCLI-Nr.: 5171424
CCLi Liedlizenz 5100265
 
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Predigt zu 1. Petrus 1, 3 - 7 „Lebendige Hoffnung“

(27. April 2025, Prädikantin Ingrid Wagner, Evangelische Kirche Steinen)
 
Liebe Gemeinde,
 
Ostern hat uns wieder gezeigt: wir haben allen Grund uns zu freuen.
Ja, ich weiß: wenn wir in unsere Welt sehen, dann kann die Freude schnell vergehen oder gar nicht erst aufkommen. Aber keine Nachrichten mehr zu hören, ist auch keine Option. Wir leben nun einmal in dieser Welt. Aber gerade als Christen sollten wir deshalb nicht mutlos werden. Sondern voll Vertrauen unseren Weg weitergehen.
Aber hin und wieder tut es uns schon gut, neu motiviert und gestärkt zu werden.
Und wer kann das besser, als jemand, der aus seinen eigenen Erfahrungen sprechen kann.
So einer ist Petrus. Ihm ist der auferstandene Jesus persönlich begegnet. Und das mehrfach! Petrus weiß es also: Es ist wahr. Jesus lebt! Jesus ist auferstanden!
Petrus schreibt die Zeilen unseres heutigen Predigtabschnittes an christliche Gemeinden in Kleinasien.
Es ist keine einfache Zeit für sie. Mit dem römischen Kaiser Nero hat sich das Blatt für die Christen im römischen Reich drastisch gewendet. 
Die Angst ist groß unter ihnen. Sie leben unter ständiger Bedrohung und Lebensgefahr.
Petrus will ihnen neue Hoffnung und Zuversicht schenken.
 
Hören wir ihm zu: 1. Petrus 1, 3 - 7 Neues Leben
Gelobt sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, denn er hat uns in seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren.
Jetzt haben wir eine lebendige Hoffnung, weil Jesus Christus von den Toten auferstanden ist.
Denn Gott hat für seine Kinder ein unvergängliches Erbe, das rein und unversehrt im Himmel für euch aufbewahrt wird.
Und in seiner großen Macht wird er euch durch den Glauben beschützen, bis ihr das ewige Leben empfangt.
Es wird am Ende der Zeit für alle sichtbar offenbart werden.
Freut euch deshalb von Herzen!
Vor euch liegt eine große Freude, auch wenn ihr für eine Weile viel erdulden müsst.
Dies dient nur dazu, euren Glauben zu prüfen, damit sich zeigt, ob er wirklich stark und rein ist.
Er wird erprobt, so wie Gold im Feuer geprüft und geläutert wird- und euer Glaube ist Gott sehr viel kostbarer als bloßes Gold.
Wenn euer Glaube also stark bleibt, nachdem er durch große Schwierigkeiten geprüft wurde, wird er euch viel Lob und Herrlichkeit und Ehre einbringen, an dem Tag an dem Jesus Christus der ganzen Welt offenbart werden wird.
 
Petrus beginnt mit einem Lob auf Gott. Er ist noch ganz erfüllt vom Ostergeschehen.
Petrus kennt die schwierige Lage seiner verfolgten Glaubensgeschwister. Er selber hat manche tiefen Täler miterlebt und durchlitten. Und Petrus kennt seine eigene Schwachheit und weiß um sein Versagen.
Aber nun spricht Hoffnung und Gewissheit aus ihm.
Seit Ostern hat sich die Welt für ihn grundlegend verändert.
Seit Ostern gibt es allen Grund zur Hoffnung. Seit Ostern gibt es sogar eine lebendige Hoffnung, weil Jesus nicht im Tod geblieben ist.
Er ist auferstanden und er lebt!!! Das kann man nicht oft genug erwähnen.
Seit Ostern ist endgültig und eindeutig klar, dass Gottes Herz voller Liebe für uns ist.
Seine Liebe hat unsere Sünde überwunden.
Ja, seine Liebe hat selbst den Tod überwunden.
Darum kann Petrus gar nicht anders als diesen barmherzigen Gott zu loben.
Petrus weiß, dass sein Leben grundlegend verändert wurde.
Und er möchte, dass seine Mitchristen ihre schwierige Lage mit ganz neuen Augen sehen.
Wie er, brauchen auch sie sich nicht von der äußerlichen Situation fangen und blenden lassen.
Und auch wir brauchen uns nicht von den äußeren Umständen erschrecken lassen.
Vielmehr schenkt uns Jesus einen neuen Blick für die andere, die göttliche Wirklichkeit.
Petrus zeigt uns die Bedeutung auch für unser Leben:
In der Auferstehung wirkt Gott nicht nur an Jesus, sondern er wirkt auch an uns.
In der Auferstehung Jesus liegt unsere Wiedergeburt.
Sie ist ein Geschenk. So wie wir als Säuglinge nichts zu unserer Geburt beitragen können, so geht es auch mit der Wiedergeburt im Glauben.
Sie ist reines Gottesgeschenk und Gotteswunder, das sich ohne unser Zutun ereignet.
Darüber kann man nur staunen und ihn anbeten.
Nicht wir kommen zum Glauben, sondern der Glaube kommt zu uns.
Gott handelt- er allein- und doch nimmt er unsere
Lebensgeschichte in seine Geschichte mit hinein.
Wenn Gottes Sehnsucht nach mir auf meine Sehnsucht nach ihm trifft, wenn sein Herz und mein Herz sich begegnen und sich miteinander verbinden, dann wird er das Wunder von Neugeburt, der Geburt von oben, wirken.
Gott schafft Neues, wo wir uns wie ein Kind in seine Arme fallen lassen.
Man braucht Vertrauen, um sich blind fallen zu lassen in der festen Hoffnung, dass einen der Vater auffängt.
Wer genau dieses Vertrauen auf Jesus setzt und sich seine Gnade und Zuwendung schenken lässt, ist neu geboren. Und hier ist wirklich eine Neuschöpfung gemeint.
Und keine Runderneuerung wie bei einem Autoreifen. Da wird einfach neues Profil auf den alten Reifen aufgetragen. Und das kann manchmal auch zum Problem werden.
Der alte Adam und die alte Eva sind wiedergeboren zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.
Frische Glut, die der Windhauch des Geistes zu einem großen Feuer entfachen kann und nicht kalte Asche. 
Die ersten Christen kamen durch das klare Zeugnis der Apostel zum lebendigen Glauben.
Und nun sollte dieses Leben unter dem neuen Herrn auch nach außen sichtbar werden.
Sie ließen sich taufen, ganz wie es Jesus geboten hat.
Wie bei Jesus auch, wurde in einem nahegelegenen Fluss getauft. Ihm gehörte nun ihr Leben ganz und gar.
Unsere Taufe ist das sichtbare Zeichen für diese Neuschöpfung und unsere Aufnahme in die große Familie der Kinder Gottes. Und wir setzen mit unserer Taufe auch ein Zeichen:
„Ja, ich will zeigen, dass ich zu Jesus Christus gehöre und zu seiner Gemeinde.“
Das war für viele Menschen damals ein gefährliches Bekenntnis und ist es auch heute in vielen Ländern noch.
Bei uns werden neben Konfirmanden überwiegend kleinere Kinder getauft. Ihre Eltern möchten sie in die Hand des Schöpfers legen und sie seiner großen Familie anvertrauen.
Das wird von freikirchlichen Gemeinden kritisch betrachtet.
Doch ist es nicht auch ein schönes Bild dafür, dass Gottes große Liebe uns immer voraus geht.
Sie ist Geschenk, unverdient und ganz aus Gnaden.
Aber dieses Geschenk darf dann nicht einfach in die Ecke gestellt und vergessen werden.  
Es sollte dann auch ausgepackt werden: das heißt, allein Taufe reicht nicht.
Taufe und Glauben gehören untrennbar zusammen. Gott möchte unser persönliches Ja!!!
„Ja, ich will zu dir, Jesus, gehören.“ Ob laut ausgesprochen oder still im Herzen gesagt. 
Alle, die als Kinder getauft wurden, haben dazu auch an ihrer Konfirmation ganz offiziell, die Gelegenheit.
Wenn wir als Gemeinde kleine Kinder taufen oder als Eltern unsere Kinder taufen lassen, dann sind wir auch dafür verantwortlich, dass sie in diesen Glauben hineinwachsen können.
Deshalb ist die Arbeit mit Kindern eine wichtige Aufgabe in einer Gemeinde. Es ist vor Gott ein ganz, ganz wichtiger Dienst!!!
Wenn Gott dich nun durch die Taufe als sein Kind angenommen hat, dann hat er dich auch zu seinem Erben bestimmt. Du wirst Anteil haben an seiner Ewigkeit. Dieses Erbe ist unvergänglich und wird für dich im Himmel aufbewahrt. Doch der Weg dorthin ist nicht immer einfach.
Jesus sagte: Denkt an das Wort, das ich euch gesagt habe:“ Ein Diener ist nicht größer als sein Herr.“ (Joh.15,20) Da sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen. Und wenn sie auf mein Wort gehört haben, werden sie auch auf euer Wort hören.
Wegen unseres Glaubens verfolgt zu werden, ist für uns gedanklich sehr weit weg, weil es uns hier als Christen gut geht. Ein Grund dafür sehr dankbar zu sein!
Aber auch unser himmlischer Vater stellt uns immer wieder vor neue Glaubensherausforderungen. Unser Glauben soll schließlich wachsen und stark werden.
Und das kann er nur, wenn er sich bewähren muss.
Es wird Zeiten geben, wo wir beten und beten und keine Antwort bekommen, auch nicht das kleinste Zeichen.
Auch kann unser Leben erschüttert werden durch Krankheit, Tod, Trennung oder Scheitern.
Wie schnell kommen wir dann ins Zweifeln. Gibt es Gott wirklich? Hat er mich vergessen? Sieht er mich überhaupt in meiner Not?
Viele Jesus Nachfolger in der ganzen Welt erleben noch ganz andere Herausforderungen und Anfechtungen.
Wie groß ist da die Versuchung, sich von seinem Glauben loszusagen, wenn man Unterdrückung, Gefängnis oder Folter erlebt.
In solchen Momenten hilft nur eines: Gottes Macht! Er wirkt, indem er uns Hoffnung schenkt, Menschen an die Seite stellt, unseren Glauben stärkt oder uns einen neuen Blickwinkel zeigt.
Manchmal hilft er uns auch nur einfach die Situation auszuhalten und durchzuhalten. 
Und er schenkt uns seinen Frieden, der uns zeigt: “Ich bin da!“
Auf all diesen Wegen bewahrt er unseren Glauben und stärkt ihn so. Wie kostbar ist ein Glaube, der trotz Anfechtung standhält. Und wie gut, dass wir das nicht allein aus unserer Kraft tun müssen.  Wir können und dürfen uns in Gottes Hand fallen lassen.
Es wird auf unsrem Weg mit Jesus Zeiten der Bewahrung und Zeiten der Bewährung geben.
Aber auch Zeiten mit einer großen Nähe zu Gott. Zeiten, in denen wir neue Einsichten in den Glauben gewinnen und neue Erfahrungen mit ihm machen.
Petrus holt, die von ihm angeschriebenen Christen dort ab, wo sie sind-nämlich in der Hitze der Anfechtung. Sie haben wohl gerade keinen Blick für die Reichtümer des Himmels, weil andere Sorgen und Nöte sie nach unten drücken.
Sie brauchen einfach diese Ermutigung durch Petrus. Ihr Glaube ist in Gefahr, ihr ist Mut gesunken, ihr Blick ist verstellt. Deshalb muss Petrus ihnen wieder neu den Blick auf das verheißene Erbe lenken.
Ja, die Anfechtung ist da. Die Traurigkeit ist da. Die Schwierigkeiten sind nicht zu leugnen.
Aber diese Zeit ist bemessen und begrenzt! Das verheißene Erbe wird offenbar werden!
Die Errettung wird wahr werden zur letzten Zeit.!  Petrus macht seinen Glaubens-geschwistern deutlich: Anfechtungen, Glaubensprüfungen und erlittene
Schwierigkeiten sind nicht einfach lästige Hindernisse auf dem Weg in die Ewigkeit.
Keine störenden Dinge, auf die man gerne verzichten könnte!
Sondern selbst die Anfechtung hat in Gottes Plan einen Platz. Der Glaube wird sich als echt und kostbar erweisen durch die Anfechtung.
Auch Martin Luther kannte Anfechtungen.
Tiefe Schwermut und Verzweiflung bringen ihn zum Verstummen,
Er zieht sich in die dunkle Kammer zurück, spricht, arbeitet, betet nicht mehr. Seine Frau macht sich ernste Sorgen. Kurz entschlossen zieht sie schwarze Kleider an und klopft an seine Tür.  Erschrocken fragt Luther:“ Wer ist denn gestorben?“ “Gott ist gestorben!“, antwortet seine Frau. „Wenn du dich nur noch um dich selber drehst, nicht mehr arbeitest und betest, sprichst und singst, dann ist Gott tot und hat keine Macht!“
Wie ein Blitz trifft es Luther: “Gott lebt. Zum Verzweifeln ist kein Grund.“
Darüber dürfen wir uns freuen!
Jesus ist Sieger! Und wir leben, als sei er tot!
Die Menschen brauchen uns Christen. Sie brauchen unsere lebendige Hoffnung. Sie zu ermutigen ist unsere Aufgabe in diesen unruhigen, ungewissen Zeiten.
Wir dürfen nicht einstimmen in die Schwarzmalerei unserer Zeit.
Sehen wir auf Jesus und lassen wir uns von ihm eine Freude schenken, die uns nichts und niemand wegnehmen kann.
 
Amen.