Himmelwärtsgottesdienst in der Petruskirche Steinen
mit Pfr. Ingo Meißner
mit Pfr. Ingo Meißner
Predigt: Zweifel erlaubt? Ein Muss für alle Thomasse
(Johannes 20, 24 - 29)
- Predigt als Video: https://youtu.be/svDs6tYEWco
Lieder:
- FJ Kids 176: Vom Anfang bis zum Ende (Immer und überall) CCLI-Nr.: 4353353
- FJ2 71: Freude - Etwas in mir CCLI-Nr.: 4327956
- FJ6 123: Hilf mir zu glauben CCLI-Nr.: 7145089
- FJ5 217: Lege deine Sorgen nieder CCLI-Nr.: 5752276
- FJ5 108: Oceans (Where feet may fail) CCLI-Nr.: 6428767
- FJ5 236: Segen für deinen neuen Weg CCLI-Nr.: 6277592
CCLi Liedlizenz 5100265
Predigt zu Johannes 20,24-29 „Zweifel erlaubt? Ein Muss für alle Thomasse“
Himmelwärtsgottesdienst
(12. April 2025, Pfr. Ingo Meißner, Evangelische Kirche Steinen)
„Ich hab‘ da meine Zweifel…“ - oder: da bin ich skeptisch… - oder: bin mir nicht sicher, ob das jetzt so richtig ist. - oder eher spöttisch: „das soll jetzt wirklich so klappen?“
Zweifel kann dabei in ganz unterschiedlichen Formen auftreten. In der Regel hat das mit einer gewissen Verunsicherung zu tun. Eine Verunsicherung, ob eine Sache wirklich so ist, wie sie zu sein scheint.
Zweifel kann jedoch sehr hilfreich sein.
Wenn wir z.B. nicht einfach alles glauben, was Leute so erzählen. Wenn z.B. negativ über andere Menschen gesprochen wird. Da kann es hilfreich sein, sich erst einmal ein eigenes Bild zu machen, damit wir nicht zu schnell Menschen in bestimmte Schubladen stecken und sie dann darin belassen.
Dinge auch mal zu hinterfragen und prüfen, ist nie verkehrt.
Und wenn wir das nicht tun, kann der Schuss auch nach hinten los gehen.
Mir ging es mal so mit einem Finanzversprechen, das allzu rosig klang. Ich hatte mich einmal – letztlich aus Geldgier - auf ein Anlageversprechen ein gelassen, wo man mir ca. 5% Rendite pro Monat versprach. Also nicht 5% pro Jahr. Ich transferierte mein Geld auf irgendein ausländisches Konto. Am Ende war ich dann mein Geld los. Hier wären mehr Zweifel am Anfang mal richtig gut gewesen. Kein Mensch erzielt auf ehrliche Weise einfach so riesige Renditen. Naja…
Zweifel führen dazu, dass wir uns besser informieren, uns vergewissern, ob es sich wirklich so verhält. Und das kann mich dann vor Vorurteilen, Vorverurteilungen und schlechten Entscheidungen bewahren.
Zweifel. Es gibt auch Zweifel im geistlichen Bereich. Da geht es dann um Gott. Und um seine Versprechen.
Vielen Menschen fällt es schwer an einen Gott zu glauben, der es wirklich gut mit ihnen meint. Oder an einen Gott zu glauben, der in enger Gemeinschaft mit ihnen durchs Leben gehen möchte.
Weil sie ihn noch nicht als lebendig gespürt und erfahren haben. Oder er einfach nicht so hilft, wie wir es gerne hätten.
Geistliche Zweifel können auch bei gestandenen Jesus-Nachfolgern in unterschiedlichsten Situationen auftreten.
Hier mal ein paar Beispiele:
Wenn wir uns in Krisensituationen befinden, dann beten, glauben, hoffen. Aber Gott scheint nicht zu reagieren, nicht interessiert zu sein. Da kommen Zweifel an ihm hoch.
Oder wenn du gezielt um Menschen, oder bestimmte Dinge bittest, die dir ganz wichtig sind: z.B. Berufswahl, Partnersuche, oder umfassender wie Beendigung eines Krieges, oder ein Ende der weltweiten Armut oder anderes. Und es passiert einfach nichts. Oder nicht so, wie du es dir vorstellst.
Und dann kommst du irgendwann ins Grübeln und fragst dich vielleicht: „Will Gott nicht? Kann er nicht? Gibt es ihn vielleicht gar nicht?“
Zweifel kommen also immer wieder vor. Auch Zweifel an Gott.
Wenn du das auch kennst mit Zweifeln an Gott, dann lass dir gesagt sein: du bist in bester Gesellschaft mit vielen anderen Menschen. Gestandenen Christen. Aber auch in Gesellschaft mit vielen Promi-Zweiflern in der Bibel.
Schauen wir uns einmal ein paar dieser Promi-Zweifler an.
Geht gleich schon am Anfang der Bibel los: Adam und Eva. Beide zweifelten daran, dass es das Beste für sie ist, von einem bestimmten Baum nicht zu essen. (1. Mose 3, 1-24). Sie zweifelten an Gott und fragten sich: „sollte Gott gesagt haben…?“ Die Folgen waren dann die sogenannte Vertreibung aus dem Paradies.
Oder nehmen wir Abraham und Sarah, seine Frau. Abraham bekam von Gott das Versprechen viele Kinder zu haben. Als beide schon alt und tattrig wurden und sich immer noch nichts tat, kamen sie ins Zweifeln. Aber Gott konnte damit umgehen und schenkte doch noch ein eigenes Kind.
Oder die Israeliten in der Wüste. Immer wieder Zweifel an Gott.
Man könnte die Liste der Zweifler im Alten Testament mühelos weiter fortführen. David, andere Könige, die Propheten: immer wieder begegnet Zweifel an Gott und die Unsicherheit: ist er wirklich da, sieht er mich wirklich? Kann er wirklich so, wie er es gesagt und versprochen hat?
Gehen wir mal ins Neue Testament:
Nehmen wir Johannes den Täufer: er fragte einmal, nachdem er viel von Jesus gehört und gesehen hatte „Bist du wirklich der Messias? Der Gesandte Gottes?“ Er hatte da so seine Zweifel. Eben, weil Jesus so anders auftrat als für den Messias erwartet wurde.
Oder nehmen wir die Jünger Jesu, nachdem Jesus auferstanden war. Kurz bevor er in den Himmel zurück zu seinem Vater sollte. Da heisst es im Matthäusevangelium (28,17): „Als sie Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder. Aber einige hatten auch Zweifel.“
Also da sehen sie Jesus, und dennoch haben doch einige Zweifel daran, ob sie ihren Augen auch wirklich trauen können. Bis zuletzt also auch. Zweifel bei seinen engsten Nachfolgern.
Das Spannende ist hier: Genau diesen Jüngern, auch den Zweiflern, gibt Jesus seinen großen Auftrag mit auf dem Weg. Er traut es allen zu, auch dir und mir, dass wir von ihm erzählen und Menschen weltweit in seine Nachfolge einladen.
Also: Gott schreibt seine Geschichte auch mit Zweiflern. Wir dürfen zweifeln, auch an Gott.
Das ist für ihn überhaupt kein Problem. Und er lässt uns dennoch nicht fallen. Sondern will weiter mit und durch uns seine Geschichte schreiben - Was für ein Privileg!
Und wir dürfen ihm immer wieder neu auch unsere Zweifel bringen. Wir dürfen schwach sein vor Gott. Wie müssen nicht die Glaubenshelden mimen, wenn wir es nicht sind. Wir dürfen Gott sagen: „Hier sind meine Zweifel, meine Anfechtungen. Herr ich möchte gerne dir glauben! Hilf mir in meinen Unglauben!“
Einer der vielleicht prominentesten Zweifler war Thomas, einer der Jünger Jesu. Hören wir seine Geschichte aus dem Johannesevangelium, Kapitel 20, 24-29: „Thomas, der auch Didymus genannt wird, gehörte zum Kreis der Zwölf.
Er war nicht bei ihnen gewesen, als Jesus gekommen war.
Die anderen Jünger berichteten ihm: »Wir haben den Herrn gesehen!«
Er entgegnete ihnen: »Erst will ich selbst die Wunden von den Nägeln an seinen Händen sehen. Mit meinem Finger will ich sie fühlen. Und ich will meine Hand in die Wunde an seiner Seite legen. Sonst kann ich das nicht glauben!«
Acht Tage später waren die Jünger wieder beieinander. Diesmal war Thomas bei ihnen. Wieder waren die Türen verschlossen.
Da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte: »Friede sei mit euch!«
Dann sagte er zu Thomas:
»Leg deinen Finger hierher und sieh meine Hände an. Streck deine Hand aus und leg sie in die Wunde an meiner Seite. Sei nicht länger ungläubig, sondern komm zum Glauben!«
Thomas antwortete: »Mein Herr und mein Gott!«
Da sagte Jesus zu ihm:
»Du glaubst, weil du mich gesehen hast. Glückselig sind die, die mich nicht sehenund trotzdem glauben!«“
Spannende Geschichte – oder?
Er ist der Jünger, der an der Auferstehung Jesu zweifelte. Bis er Jesus wirklich gesehen hatte.
Thomas ist damit ist er der Prototyp des Zweiflers. Also Derjenigen, die nur das glauben können, was sie sehen, spüren und erleben.
Thomas fasst Jesus nicht wirklich an. Wird zumindest nicht berichtet. Er kommt auch so zum Glauben an Jesu Auferstehung. Er sieht Jesus.
Aber er hätte ihn anfassen dürfen. Es überprüfen dürfen, on es wirklich Jesus ist.
Wenngleich Jesus schon auch sinngemäß sagt: schöner wäre es schon gewesen, wenn du mir vertraut hättest, an mich geglaubt hättest, auch ohne mich in Echt zu sehen.
Aber: Jesus hat überhaupt kein Problem damit, sich prüfen, sich überprüfen zu lassen. So gross ist unser Gott!
Der Apostel Paulus fordert uns auch dazu auf, wenn er schreibt (Eph 5,10): „Prüft Gott, damit ihr erkennen könnt, was sein guter Wille für euch ist.“
Wie kann man nun Gott „prüfen“? Wie kann man vom Zweifel zu mehr Gewissheit kommen?
Dem möchte ich im letzten Teil der Predigt noch nachgehen.
Wie kann man Gott prüfen? Gott selbst forderte damals durch den Propheten Maleachi (Mal 3,7-10) sein Volk dazu auf, nicht zu knauserig mit Spenden für den Tempel zu sein. Offensichtlich gab es damals viele Sparbrötchen, oder sie gaben ihr Geld lieber für anderes aus.
Gott sagt ihnen dann sinngemäss: „spendet, gebt Gott den sogenannten 10. eurer Einkünfte und schaut, was dann passiert.“
Ich zahle brav meine Kirchensteuer, aber spendete und spende immer noch darüber hinaus für die Gemeinde, oder bestimmte Menschen.
Ich mache dabei wirklich die Erfahrung: „das Geld fehlt mir am Ende des Monats nicht. Es bewirkt Segen bei anderen. Und Gott lässt mich nicht zu kurz kommen. Und es geht mir gut.
Viele Menschen, die ich kenne, machen eine ähnliche Erfahrung. Sie geben. Und Gott segnet sie.
Geben kann übrigens auch in Form von Mitarbeit geschehen.
Man kann Gott also dadurch testen, ob es ihn wirklich gibt, indem ich in sein Reich investiere und schaue, was dann passiert.
Wie kann ich weiter Gewissheit bekommen, wenn mich gerade Zweifel an der Güte Gottes befallen haben?
Erinnere dich an vergangene Hilfen Gottes. An Situationen, in denen er schon mal geholfen hatte.
Die Bibel gibt selbst den Tipp in Psalm 103. Dort heisst es gleich zu Beginn: „lobe den Herrn mein Seele - und vergiss nicht, was er dir Gutes getan“
Gott hat schon in deinem Leben zum Guten gewirkt. Vielleicht schon das ein oder andere Wunder bewirkt.
Und: Du darfst ein Kind Gottes sein. Er vergibt dir alle deine Sünden, heilt alle deine geistlichen Gebrechen. Er hat es getan und tut es immer wieder.
Eine weitere Möglichkeit Gott wahrzunehmen ist das Abendmahl. Wenn wir das Abendmahl einmal im Monat feiern, erinnern wir uns daran, was Jesus damals für uns tat und sehen und schmecken, dass er es wirklich gut mit uns meint.
Oder: Lass dir von Freunden berichten, wie und wo sie Gott in ihrem Leben schon wahrgenommen haben. Wo ihnen klar wurde: diesen Gott, diesen Jesus gibt es wirklich!
Hauskreise und Kleingruppen können in der Gemeinde ein Ort sein, wo man sich gegenseitig diese Geschichten erzählt. Oder auch nachher beim anschliessenden Imbiss am Tisch, könnt ihr darüber ins Gespräch kommen und einander fragen: wo hast du Gott einmal erlebt?
Oder das Gebet, das Reden mit Gott.
Erwarte Großes von ihm. Traue ihm Großes zu. Auch ein Wunder. Bete auch mal groß. Darum ging es im vergangenen Himmelwärts-Gottesdienst.
Gott kann und möchte auch überraschend helfen. Darf er dich Überraschen, oder soll er Dinge so machen, wie du es gerne hättest?
Bitte darum, dass Gott seine Größe, Macht, seine Kraft und Herrlichkeit dir zeigt. Dass dann sein Wille geschehe.
Die kann er in kleinen und großen Wundern zeigen. Mitten im Alltag oder darüber hinaus kann er uns ins Staunen bringen.
Wenn da plötzlich etwas zusammenläuft, das ich nie und nimmer so hin bekommen hätte.
Ein Wunder seiner Güte ist es aber auch, wenn ich in Krankheitstagen nicht verzage, sondern mich wie auf Händen getragen fühle. Mittendrin Gott zu erfahren, wie er mich umgibt von allen Seiten.
Oder ich bekomme Kontakt zu Menschen, die mich ermutigen, mi freundlich und verständnisvoll begegnen. Gott wirkt auch dadurch und zeigt: ich habe dich nicht vergessen!
Und abschließend: Bring Gott deine Zweifel!
Du kannst dann mit Worten der Bibel beten sagen: "Ich glaube! Hilf mir heraus aus meinem Unglauben heraus!" (Markus 9, 24)
Oder mit anderen Worten wie: "Gott, ich kann nicht mehr glauben, das ist jetzt dein Job, bitte lass mich nicht fallen."
Und lass dich dann überraschen, wie Gott dir dann begegnet. Vielleicht nicht immer so, wie du es gerne hättest, aber letztlich immer zum Guten. Für dich.
Beten kannst du hier im Gottesdienst auch zeichenhaft tun.
Indem du Gott nachher deine Zweifel, deine Fragen bringst. Deswegen hast du Stift und Zettel bekommen. Und wenn du magst, kannst du deine Fragen notieren und hier vorne ans Kreuz bringen und in die Röhrchen stecken. Zu Jesus bringen. Und erwarten, dass er zu seiner Zeit darauf reagieren wird. Wie auch immer.
Oder du ziehst ein „Zweifel-Los“. Auf dem Befinden sich zusagen und Verheissungen, die du für dich in Anspruch nehmen kannst.
Oder du lässt duch durch die Musikzeit gleich ermutigen und stärken.
Oder du kanst auch zum Gebetsteam nach hinten gehen. Dort deine Anliegen und Zweifel, aber auch andere Dinge vertraulich erzählen und für dich beten lassen.
Alles gute Möglichkeiten, um vom Zweifel und Unsicherheit wieder zu mehr Gewissheit zu kommen.
Sodass du dann auch wieder voller Freude und Staunen wie Thomas, der Jünger mit voller Überzeugung sagen kannst: „Jesus, du bist mein Herr und mein Gott!“
Amen