Reminiszere

- 16.03.2025 - 

Vom Minus zum Plus

Sonntagsgottesdienst mit Taufe in der Petruskirche Steinen
mit Pfarrer Ingo Meißner
 
Psalm 25
(EG 712)
 
Predigt: "Vom Minus zum Plus"
(Johannes 3, 13 - 20)
 
Lieder:
  • FJ6 154: Das glaube ich (Ich glaube an den Vater) CCLI-Nr.: 7024191
  • EG 272: Ich lobe meinen Gott von ganzem Herzen CCLI-Nr.: 3943070
  • EG 440: All Morgen ist ganz frisch und neu CCLI-Nr.: 4897857
  • FJbo 201: Jesus, dein Licht (Herr, das Licht deiner Liebe leuchtet auf) CCLI-Nr.: 5171424
  • FJbo 158: Ich will dich anbeten (Licht dieser Welt) CCLI-Nr.: 5292815
  • FJbo 42: Jesus, meine Hoffnung, lebt CCLI-Nr.: 7116987
  • EG 449: Die güldne Sonne voll Freud und Wonne CCLI-Nr.: 4940072
CCLi Liedlizenz 5100265

Predigt zu Johannes 3,13-21 „Vom Minus zum Plus“

(16. März 2025, Pfarrer Ingo Meißner, Evangelische Kirche Steinen)

Es ist dunkle Nacht. Ein Mann kommt zu Jesus.  
 
Sein Name ist bekannt: Nikodemus. Und nicht nur sein Name ist bekannt. Er ist überhaupt eine bekannte Persönlichkeit in Jerusalem. Einer der führenden Männer, wie es im Bibeltext heisst. Ein Celebrity. Ein Mann der Öffentlichkeit.  
Heute würde er vermutlich für Schlagzeilen in der Zeitung sorgen, hätte Socialmedia-Kanäle mit vielen Followern, wäre in Talkshows zu Gast. 
 
Und so einer kommt zu Jesus. 
 
Es war ein Pharisäer heisst es dort weiter. 
Pharisäer war eine Art jüdischer Mönchsorden, aber mit Heiraten und so.  
Doch wo man sich in der Bibel sehr gut auskannte und es möglichst genau alles so machen wollte, wie Gott es ihnen aufgegeben hat. Sie bemühten sich wirklich und waren im Volk dafür respektiert und bewundert. So eine Art Superjuden. 
 
Und Nikodemus war auch so ein 100-Prozentiger. 
 
Und der kommt nun zu Jesus. Bei Nacht. Eine Art «Nacht- und Nebelaktion». 
 
Offensichtlich will er nicht gesehen werden. Es steht offensichtlich viel auf dem Spiel für ihn. Es zeigt aber auch: er will wirklich Antworten auf seine Fragen, nicht nur eine Schaudiskussion führen, wie Jesus sie so häufig mit Pharisäern und Schriftgelehrten führte. Die aber schon genau wussten, was richtig und falsch ist und Jesus nur vorführen wollten. 
 
Er erkennt es offensichtlich an: Jesus ist ein von Gott geschickter Lehrer. Seine Taten, die Zeichen (Heilungen an Leib, Seele und Geist) bezeugen das. 
 
Mit Jesus scheint etwas ganz Besonderes zu passieren. Die alten Schriften über den Messias scheinen sich zu erfüllen. Und doch wirkt Jesus irgendwie so menschlich, so nah. Gar nicht religiös abgehoben. 
 
Jesus sagt, dass ein Mensch das Reich Gottes erst richtig erfassen, richtig sehen kann, wenn er aus Wasser und Geist wiedergeboren wird. 
 
Der Zugang zu diesem Reich Gottes - hier und in Zukunft geht nur über eine Neugeburt. Oder: eine Geburt „von oben“ her, wie man hier auch übersetzen kann. Als eine Neuschöpfung von Gott her. Eine geistliche Neugeburt. 
 
Wie kann man nun neu – oder von oben - geboren werden, zu neuem geistlichen Leben kommen? Fragt Nikodemus. 
 
Es geht um den Glauben an Jesus, den Sohn Gottes. Und das fällt den Menschen – eben auch Nikodemus – sehr schwer. 
 
Doch an Jesus vorbei geht es eben nicht.  
Nur durch den Glauben an ihn ist ewiges Leben, ein Leben im Reich Gottes möglich. Nur durch ihn findet eine Neugeburt statt. 
 
Hier klingt schon Paulus durch, der später einmal schreibt, dass wir in Christus eine Neuschöpfung sind (2. Korinther 5, 5). Also, wenn wir an ihn glauben, ihm vertrauen. 
 
Und nun begründet Jesus es weiter, warum das so ist. Warum sich an ihm alles entscheidet. 
 
Und wir hören jetzt den Predigttext nach der Übersetzung „Hoffnung für Alle“. Johannes 3,13-21: 
 
„Es gibt nur einen, der zum Himmel hinaufsteigt: der Menschensohn, der vom Himmel herabgekommen ist. 
Du weißt doch, wie Mose in der Wüste eine Schlange aus Bronze an einem Pfahl aufrichtete, damit jeder, der sie ansah, am Leben blieb. Genauso muss auch der Menschensohn erhöht werden. Jeder, der ihm vertraut, wird das ewige Leben haben. 
 
Denn Gott hat die Menschen so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn für sie hergab. Jeder, der an ihn glaubt, wird nicht zugrunde gehen, sondern das ewige Leben haben. 
 
Gott hat nämlich seinen Sohn nicht zu den Menschen gesandt, um über sie Gericht zu halten, sondern um sie zu retten.  
 
Wer an ihn glaubt, der wird nicht verurteilt werden. Wer aber nicht an den einzigen Sohn Gottes glaubt, über den ist wegen seines Unglaubens das Urteil schon gesprochen.  
 
Und so vollzieht sich das Urteil: Das Licht ist in die Welt gekommen, aber die Menschen lieben die Finsternis mehr als das Licht. Denn alles, was sie tun, ist böse. Wer Böses tut, scheut das Licht und bleibt lieber im Dunkeln, damit niemand seine Taten sehen kann.  
 
Wer aber die Wahrheit Gottes liebt und das tut, was er will, der tritt ins Licht! An ihm zeigt sich: Gott selber bestimmt sein Handeln.“ 
 
Nur einer kam vom Himmel herab und wird dorthin wieder erhoben werden. Jesus. Er selbst. 
 
Und in ihm ist eine besondere Kraft Gottes, seines Vaters. 
 
Das Erhobensein meint in diesem Fall nicht erster Linie seine Himmelfahrt nach Tod und Auferstehung. Sondern seine Kreuzigung. 
 
Die Verse 14-15 beschreiben es: Uns zum Heil wurde er am Pfahl, also am Kreuz, „aufgerichtet“ 
 
Und Jesus gebraucht ein Bild aus der Wüstenwanderung Israels mit Mose. 
Genauso, wie die Schlange damals in der Wüste zum Heil des Volkes aufgerichtet wurde, so wird es Jesus ebenfalls werden. In aller Niedrigkeit, wird er dennoch erhoben werden, mächtig. Das Kreuz wird dann zum Siegeszeichen. 
 
Und jeder, der an den Gekreuzigten glaubt, wird leben, wird mit siegen. Er hat dann das ewige Leben. Ein Versprechen weit über dieses Leben hinaus.  
 
Um warum tut das Jesus, warum tut das sein Vater alles? 
 
Die Verse 16-17 geben darüber Auskunft: 
 
„Denn Gott hat die Menschen so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn für sie hergab. Jeder, der an ihn glaubt, wird nicht zugrunde gehen, sondern das ewige Leben haben. 
Gott hat nämlich seinen Sohn nicht zu den Menschen gesandt, um über sie Gericht zu halten, sondern um sie zu retten.“ 
 
Aber er macht alles für uns - aus Liebe! Damit wir ewige Gemeinschaft mit ihm haben können. Unverdient. Das ist Gnade. 
 
In Vers 18 führt Jesus es dann weiter aus: 
 
Das Heil, dass unserer Beziehung zu Gott geheilt wird, hebt uns aus dem Status der Verurteilung hin zu einem begnadigten Zustand. 
 
Und das ist jetzt eine besondere Aussage, der so manchem heutzutage quer liegt.  
Der Mensch - wenn er ohne Jesus und den Glauben an ihn lebt - befindet sich bereits im Stand des Gerichteten. Er IST gerichtet und wird es nicht erst durch seine z.B. schlechten Taten. 
 
Wir alle sind von Geburt an im Minus im Blick auf Gott. 
 
Und kommen erst durch den Glauben an den am Kreuz erhöhten Christus ins Plus. 
 
Wir kommen vom Minus – also ein Leben als Verurteilte, fern von Gott - ins Plus – also ein Leben als begnadigte Sünder, in Gemeinschaft mit ihm. Mit einem Ewigkeitsversprechen. 
 
Wie äussert sich dieses Minus, diese bereits stattgefundene Verurteilung schon hier in dieser Welt? 
 
Das wird in den Versen 19 - 20 beschrieben. Das Dunkle wird angesichts des Lichts gerichtet und als Dunkles offenbar. 
 
Was ist denn Dunkelheit? Sie muss nichts dafür tun, um Dunkel zu sein. Dunkelheit ist einfach die Abwesenheit vom Licht. 
 
Da wo kein Licht ist, herrscht einfach Dunkelheit. Punkt. Wie in einer tiefen Höhle. Oder in der Mitte der Nacht im stockdunklen Schlafzimmer. 
 
Und wenn der Mensch ohne Gott lebt, dann muss er gar nichts dafür tun, um in Dunkelheit zu leben. 
 
Wie geht es so in der Dunkelheit zu? Wie ist es so im „Minus“ zu leben? 
 
Der verurteilte Mensch kann sogar die Dunkelheit lieben. Sie gut finden.  
 
Aber auch sonst sind auch wir Christen nicht immer davon verschont, ein Minusleben zu führen.  
Nämlich: In der Dunkelheit können wir alle die Dinge tun, die kein anderer wissen soll.  
Alle möglichen Süchte haben hier ihren Platz. Aller Neid, aller Ärger, alle Wut über andere. Alle Verwünschung anderer, die uns Übel wollen.  
All unsere Gedanken und Taten, wo wir uns anderen schaden wollen. Oder es sogar tun.  
Und was kein anderer mitbekommen soll. Und wo wir uns hinterher vielleicht sogar schämen.
Oder wo wir uns durch Drogen unterschiedlichster Art selbst betäuben oder stimulieren und wir dann Dinge tun, die uns hinterher Leid tun.
 
Das alles geht am Besten im Geheimen. In der Dunkelheit unserer Gedanken. In der Dunkelheit.
 
Eine andere Charakteristik der eines Lebens in Dunkelheit ist ein Leben in Angst:
Angst vor der Zukunft. Ein Leben in Hoffnungslosigkeit. Ein Leben in immerwährender Trauer und Schmerz.  
Ein Leben in Mutlosigkeit. Ein Leben, wo wir schlecht über uns selber denken.
 
Die Dunkelheit ist etwas, die uns Angst machen kann. Wo wir uns unfrei fühlen. Und es auch sind.
 
Wo leichter negative Gedanken kommen und bleiben wollen.
 
Jeder, der schon mal mitten in der Nacht mit einem negativen Gedanken aufgewacht ist und dann nicht mehr schlafen konnte, weiss, wovon ich rede.
 
In diese Dunkelheit der Welt ist er gekommen. Und auch in deine und meine Dunkelheit möchte er immer wieder neu kommen. Damit ein Plus daraus wird.
 
Im Licht Jesu muss die Angst und Hoffnungslosigkeit weichen! Er möchte und er kann unsere Dunkelheit hell machen. Jesus, das Licht dieser Welt. Wie er über sich selbst gesagt hat: „Ich bin das Licht der Welt…“
 
Davon redet abschließend noch Vers 21:
Leben im Licht, heisst ein Leben in der Wahrheit zu führen. Orientiert an der Wahrheit.
An Jesus selbst, der ebenfalls von sich sagt: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater, denn durch mich.“
 
Vielen von euch haben mal vier Symbole gesehen. Auf Bildern, auf Armbändern oder sonst irgendwie. Sie sind auch bekannt unter den Begriff „Die Vier“ oder in englisch „The Four“. Ein Herz. Ein Minus oder Geteiltzeichen. Dann ein Kreuz. Und als viertes ein Fragezeichen.
 
Das ist das erste Symbol ist ein Herz:
Gott liebt dich unendlich. Er kennt dich und möchte dit nahe sein. Er will dein Bestes und bietet dir erfülltes Leben an, das über den Tod hinaus geht.
 
Dann das Minus oder Geteilt-Zeichen:
Von Natur aus fragen wir nicht nach Gott. Wir misstrauen ihm und gehen unsere eigenen Wege. Das nennt die Bibel Sünde. Sünde trennt uns von Gott und dem Leben, das er für uns bereithält.
Ja, wir sind ursprünglich von Gott getrennt, fern von seinem Licht, und keine noch so tollen Taten können diese Trennung aufheben.
 
Dann das Kreuz:
Gottes Sohn, Jesus Christus, starb für uns am Kreuz und er ist von den Toten auferstanden.
Damit hat er für unsere Sünden bezahlt und die Trennung zwischen uns und Gott ist aufgehoben.
Wenn wir an ihn glauben und ihm vertrauen, dann kommen wir vom Minus ins Plus. In ein erfülltes Leben mit ihm schon hier und jetzt und über unseren Tod hinaus, in Ewigkeit.
 
Und das Fragezeichen: Und du? Wo stehst du?
Jesus hat die Beziehung zwischen Gott und uns Menschen wiederhergestellt. Dieses Geschenk können wir durch Glauben annehmen. Indem uns auf ihn einlassen und ihm vertrauen.
Möchtest du dich heute das erste Mal oder wieder ganz neu auf ihn einlassen?
Du kannst dein „Ja“ am Platz jetzt gleich während des Instrumentalstücks Gott sagen. In Gedanken des Herzens oder auch laut. Und du bist wieder mit Gott verbunden. Bist mit ihm connected.
 
Das Angebot steht auch heute wieder:
«So sehr hat Gott die Welt -also auch dich – geliebt, dass er Jesus Christus, seinen einzigen Sohn gab, damit alle, die an ihn Glauben nicht mehr in Dunkelheit und getrennt von Gott leben müssen, sondern das Licht des Lebens haben.»
 
Amen.