Himmelwärtsgottesdienst in der Petruskirche Steinen
mit Pfr. Ingo Meißner
mit Pfr. Ingo Meißner
Predigt: Beruf - Berufung - Berufung plus: Wie findest Du Deinen Platz in dieser Welt?
(Apostelgeschichte 9, 1 - 20)
(Apostelgeschichte 9, 1 - 20)
Lieder:
- FJ6 7: Alles tanzt CCLI-Nr.: 7160095
- FJ1 115: Jesus, leite mich mit deinen Augen CCLI-Nr.: 4329105
- NL+ 152: Wohin sonst (Herr, wohin sonst sollten wir gehen) CCLI-Nr.: 4681159
- FJ4 42: Halleluja (Die ganze Schöpfung jubelt dir zu) CCLI-Nr.: 6119076
- FJ5 42: Mit allem was ich bin CCLI-Nr.: 5905810
- FJ5 236: Segen für deinen neuen Weg CCLI-Nr.: 6277592
CCLi Liedlizenz 5100265
Predigt zu Apostelgeschichte 9, 1 - 20 „ Beruf, Berufung, Berufung plus“
Himmelwärtsgottesdienst
(8. Februar 2025, Pfr. Ingo Meißner, Evangelische Kirche Steinen)
Beruf, Berufung und Berufung plus. Wo ist dein Platz in dieser Welt? So lautet das Thema heute.
In diesem Titel stecken mal mindestens drei Grundannahmen: es gibt etwas, was man als Beruf bezeichnet. Dann etwas wozu man eine Berufung erhält oder auch spürt. Dann noch: es gibt scheinbar noch etwas mehr als eine «normale» Berufung. Eine Berufung Plus. Und die vierte Annahme: für jeden Menschen gibt es einen Platz in dieser Welt, wo er hingehört, wo er sich vielleicht auch wohl fühlt und gerne ist.
Fangen wir gleich mal mit der vierten Annahme an. Stimmt das eigentlich, dass es da für jede Person einen solchen Platz in der Welt gibt?
Hier sage ich: ja. Für jeden gibt einen Platz, der genau richtig für ihn ist. Ein Platz, wo du mit deinen Leidenschaften, deinen Wünschen und Hoffnungen, deinen Fähigkeiten leben und wachsen und gedeihen kannst. Wo du Zufriedenheit erlebst. Ja, vielleicht sogar, wo du glücklich bist. Wo du von anderen gesehen und wertgeschätzt wirst. Wo man sich freut, wenn du da bist.
Wo du die tiefe Überzeugung hast: das passt für mich. Wo dich dann Herausforderungen des Lebens nicht gleich aus den Schuhen hauen, sondern weiter machen kannst, auch wenn es mal hart kommen sollte.
Ich bin überzeugt davon, dass sich jeder Mensch so einen Platz wünscht. Einen schönen und erfüllenden Platz in dieser Welt.
Und ich bin überzeugt davon, dass unser guter Gott genau diesen Wunsch und die Sehnsucht nach heilen Verhältnissen und Beziehungen – auch zu mir selbst – tief in unseren Herzen verankert hat.
Tief versöhnt und zufrieden, mit der Welt um uns herum, tief versöhnt und zufrieden mit mir selbst und – da würden Nichtchristen vermutlich erst einmal nein sagen – tief versöhnt und zufrieden mit Gott.
Gott hat uns mit all unseren Wünschen und Hoffnungen und Sehnsüchten geschaffen. Jeden. Christ wie Nichtchrist.
Und sein Wunsch und Wille ist, dass wir eben in versöhnten Beziehungen leben können: zu anderen Menschen, zu dir selbst und zu ihm. Im hebräischen steht dafür das Wort Schalom, also Friede.
Dieser Friedensplatz, von dem ich spreche, kann dauerhaft sein. Oder nur für eine bestimmte Zeit in deinem Leben. Wo es dann eben für z.B. 1-2 Jahr passt (oder länger oder kürzer) und es dann dran ist, einen neuen Platz im Leben zu finden.
Ihr merkt jetzt vielleicht schon, dass das mit dem Platz im Leben oder in dieser Welt zu einem viel größeren Thema werden kann, als es einfach nur auf den Beruf im Sinn einer Erwerbstätigkeit für Geld zu reduzieren.
In dieses Thema spielt die Familie, die Ehe, die Freunde, das Land in dem wir leben, der Verein, die Schule, die Kirchengemeinde, dein Hobby und und und mit rein. Alles das kann so zu einem Platz werden, wo du hineingestellt bist und erlebst, dass du eben am richtigen Platz bist. Wo es «passt». Und du positive Wirkung in deinem Umfeld entfaltest. Und auch wieder von anderen reich beschenkt wirst.
Es gibt diesen Friedens-Platz für dich in dieser Welt. In diesem Leben. Oder vielleicht auch verschiedene Plätze nebeneinanderher. Nicht nur den einen. Wo du dauerhaft oder auch nur für eine bestimmte Zeit an diesem Platz bist.
Vielleicht hast du ihn schon gefunden? Lebst dort bereits?
Bei mir war es mal so: ihr wisst, dass unsere Familie berufsbedingt 6 Jahre in der Schweiz zugebracht haben. Ich habe mich all die Jahre irgendwie unwohl gefühlt. Die Stellen waren mal mehr oder weniger erfüllend. Die Menschen um uns herum waren mal freundlicher oder auch mal anweisender. Aber es blieb immer so ein Gefühl von Fremdheit. Dass ich irgendwie nicht hierhin gehöre. Ganz eigenartig. Und das, obwohl ich alles meinte gründlich genug mit Gott und Menschen geprüft zu haben. Vielleicht wollte ich bestimmte Warnhinweise auch gar nicht hören und habe dann vieles ausgeblendet, was eigentlich vom Bauchgefühl her nicht alles so ganz spannungsfrei war?
Als ich dann meine Fühler wieder Richtung Deutschland ausstreckte, war für mich und meine Familie klar: wenn wir wieder zurück gehen, dann hier ins Markgräflerland, nach Südbaden. Hierhin, wo unsere drei Kinder auf die Welt kamen und wir bereits seit dem Jahr 2000 als Ehepaar wohnten.
Ich merke: ich habe einfach ein Herz für Deutschland, ein Herz für Menschen im Dreiländereck, ein Herz für die Gemeinde hier in Steinen und fühle mich am richtigen Platz. Mittlerweile schon seit 3,5 Jahren.
Und ja, es ist auch für mich nicht immer alles spannungsfrei. Es gibt Herausforderungen. Doch sehe ich nicht, warum ich hier meine Zelte abbrechen sollte. Es passt. Punkt. Es einer der Plätze in dieser Welt, an die ich mich von Gott gestellt fühle. Und es ist gut so.
Ein anderer Platz ist meine Ehe, meine Familie. Auch hier ist nicht immer alles spannungsfrei. Und doch habe ich die tiefe Gewissheit, dass dies mein Platz ist. Der richtige Platz für mich. Und es ist gut so.
Und ihr merkt, wenn ich das so sage: es geht bei unserem Thema heute nicht nur um Beruf als bezahlte Tätigkeit, sondern um viel mehr.
Doch schauen wir jetzt mal die anderen Themen an: Beruf, Berufung und Berufung Plus. Was ist der Unterschied zwischen Beruf und Berufung?
Bei einer Internetrecherche kommt man sehr schnell auf Jobportale, die mit genau diesen Begriffen arbeiten. Und es liest sich übrigens alles ungefähr ähnlich.
Ich nehme mal die Definition von dem Jobportal «Indeed». Die schreiben: „Der Beruf ist vor allem eines – Mittel zum Zweck.“ Kur vorher beschreiben sie, dass er dazu beiträgt seinen Lebensunterhalt finanziell zu sichern. Dann weiter: „Eine Berufung hingegen ist eine Tätigkeit, die Sie mit Begeisterung und Leidenschaft erfüllt, oder auch das Arbeiten für ein besonderes Ziel, in dem Sie einen höheren Sinn sehen.“
Weiter steht es auf einer anderen Seite (Univativ): Während Menschen im Laufe ihres Lebens verschiedene Berufe ausüben können, bleibt die Berufung oft bestehen oder entwickelt sich weiter. Selbstverständlich können sich Beruf und Berufung überschneiden. Schließlich kannst Du in Deinem Beruf Deine Berufung finden.“
Univativ fragt weiter: „wie finde ich meine Berufung?
Du solltest deine Interessen, Werte, Talente und Persönlichkeit reflektieren. Frag Dich:
Was sind meine Stärken und Leidenschaften? Wenn Du beispielsweise ein empathischer Mensch bist, immer ein offenes Ohr für Deine Freunde oder Familie hast, dich gerne ehrenamtliche engagierst und anderen hilfst, könnte Deine Berufung in sozialer Arbeit liegen. Wenn Dir analytisches Denken liegt und Du Dich gerne mit Computern auseinandersetzt, findest Du womöglich Deine Berufung in der IT.“
Wir haben vorhin von Jugendlichen die Interviewfragen und Antworten gehört.
Da ging es um Berufswunsch: etwas mit Tieren, Tiermedizin, oder mit Kindern. Da gibt es viele Tätigkeiten, mit den man dann sein Geld verdienen könnte. Oder auch ehrenamtlich sich zu betätigen.
Dann kam noch die Frage nach dem, was Spass macht, dazu. Die Antworten waren: Sport, mit dem Hund laufen, oder mit Freunden unterwegs sein.
Als Stärken wurden dann genannt: Reiten, mit Hunden umgehen, sich mit Kindern zu beschäftigen.
Und dann noch die spannende, was man in der Welt bewegen wolle. Eine Antwort war da: Strassenhunden helfen wollen
Merkt ihr, wie hier beides mit reinspielt? Beruf und Berufung? Der Beruf wäre Tierärtzin. Aber die die innere Motivation ist die, gerne mit Tieren etwas machen zu wollen, gerne etwas für Tiere machen zu wollen. Und das Freizeitverhalten zeigt: da geht es um Pferde und um Hunde. Nicht weil es die Jugendliche muss – ok beim Hund bei schlechtem Wetter auch mal muss – sondern um das, was sie sowieso gerne macht.
Und ihr Leben, ihr Freizeitverhalten zeigt, dass Leidenschaft und Berufswunsch zusammenpassen. Und vielleicht ist da wirklich eine innere Berufung dazu da, sich um Tiere kümmern so sollen.
Und dann wird die Berufung auch zum Beruf.
Beruf und Berufung müssen aber nicht zwangsläufig zusammen passen. Man kann auch einfach nur so arbeiten, um einfach Geld zu verdienen. Ganz vielen Menschen geht es so.
Und man wartet dann sehnsüchtig darauf, dass man endlich ausstechen oder die Bürotür hinter sich schliessen kann.
Und lebt dann erst nach Feierabend so richtig auf. Und man findet dann seine Berufung in unbezahlter Tätigkeit. In Familie. In Vereinen, oder auch in der Kirchengemeinde.
Doch das schönste ist doch beim Platz im Leben – auch beim Beruf – wenn dieser mit meinen Leidenschaften und Begeisterung und vielleicht sogar einem höheren
Ziel einhergeht. Wenn dann alles «passt», wie man so schön sagt.
Das kann dann sogar gesundheitsförderlich sein. Gibt auch da viele Untersuchungen, wie ein zur Berufung passender Beruf sich darauf auswirken kann.
Zu was kann man sich beruflich alles berufen fühlen? Da gibt es wieder viele Möglichkeiten, wie innere erkannten Leidenschaften, und das was mir Freude bereitet mit einem Beruf zusammen passt.
Du bist ein Bastler und Schaffer. Du willst bauen und gestalten. Mit deinen Händen arbeiten. Es gibt ein Unzahl von handwerklichen Berufen, worin du dich verwirklichen kannst.
Oder du hast einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit. Warum dann nicht in Richtung Jura und Rechtsanwalt gehen?
Oder du liebst es kreativ zu sein. In Kunst, Musik oder Kultur. Auch dort gibt es viele Berufe.
Wenn du gerne nachdenkst und dir viele und tiefe Gedanken machst, kann man sogar beruflich Philosoph werden.
Du möchtest gerne schützen und bewahren? Warum dann nicht zu einem Sicherheitsdienst, zur Polizei oder zum Militär?
Oder du schätzt gerne Tiere und Pflanzen. Sie sind deine große Leidenschaft. Warum dann nicht eine Tätigkeit im Umwelt- und Tierschutz?
Und es gibt die seltsame Gruppe der Berufschristen, die ihr «Hobby», also Glaube und Gemeinde zum Beruf machen. So einer bin ich ja. Und ja: das was mich auch sonst im Leben beschäftigt, also im Wort Gottes lesen, meinen Glauben leben, beten, über Gott und die Welt nachdenken, gerne reden, mit und für Menschen Dinge zu gestalten, helfen zu wollen, vor anderen zu stehen und Dinge zu präsentieren, darf ich sogar bezahlt machen.
Da fallen Berufung und Beruf zusammen. Mit dem Nachteil, dass sich Privatleben und Beruf nicht immer so trennen lassen und ich die ein oder andere Extrarunde schiebe. Weil es mich eben so erfüllt und ich es sehr gerne mache.
Was du gerne, machst, deine innere Leidenschaft für eine Sache, kann man schon rausfinden. Klar, man muss nachdenken wollen, reflektieren wollen. Aber jeder, der über sich mal tiefer nachdenken möchte, wird in irgendeiner Form Erkenntnisse über sich sammeln können, die ihm dann zeigen können, was seine Berufung im Leben ist. Und was dann vielleicht sogar ein passender bezahlter Beruf oder auch ein unbezahlter Platz im Leben sein kann.
Meine Empfehlung in all dem ist: beziehe Gott in deine Überlegungen mit ein. Frage ihn im Gebet: Was ist meine Berufung sein? Was kann mein Beruf sein? Meine Tätigkeit, mein Platz im Leben?
Wo kann ich mich in Übereinstimmung mit meinen inneren Überzeugungen am ehesten in der Gesellschaft einbringen?
Und frage dabei auch deine Freunde und Bekannten: «was seht ihr in mir? Was sind meine Fähigkeiten, meine Leidenschaften und inneren Überzeugungen?»
Beides, Gott und gute Berater waren in meinem Leben und Entscheidungen stets eine riesen Hilfe. Und können es auch für dich sein.
Doch kommen wir nun zum dritten Begriff unseres Themas: «Berufung Plus».
Das ist dann, wenn Gott eine spezielle geistliche Berufung in dein Leben hineinlegt. Und manchmal auch durch ein spezielles Berufungserlebnis besonders deutlich macht.
Hören wir mal auf solche eine Beruf Plus-Geschichte. Sie findet sich in Apostelgeschichte 9,1-20.
Sie Berufung des Paulus. Gott gebraucht ihn mit seinen Gaben und Fähigkeiten: studiert, kannte sich super im AT aus, konnte mit großer Überzeugung auch gegen Widerstände Dinge durchziehen, war in der Lage durch klare Leitung und Diskussionskunst Menschen zu gewinnen und zu überzeugen.
Und Gott gibt nun seinem Leben durch dieses spezielle Erlebnis eine neue Richtung. Hätte er es sich freiwillig ausgesucht? Vermutlich nicht. Das ging in dem Fall nicht ganz freiwillig vor sich. Gott hat ihn dazu gebracht. Wie so viele andere übrigens in der Bibel.
Ein Mose wollte anfangs auch nicht. Und wurde dann zum großen Anführer.
Ein Gideon sah ich auch nicht als strahlender Held. Aber er liess dann von Gott gebrauchen und wurde zu einem großen Anführer.
Propheten wie Jona, Jeremia oder Hesekie standen auch nicht riesigen Schüsseln parat, als es Prophetenjobs regnete. Eher versuchten sie dem auszuweichen. Doch Gott blieb an ihnen dran, bewirkte Großes durch sie. Und sie wurden zum Segen für viele.
Oder nehmen wir die Jünger Jesu. Die Berufung des Petrus zum Menschenfischer rief ihn aus seiner Komfortzone des bezahlten Fischunternehmers heraus in ein Leben mit vielen Unsicherheiten. Aber mit Jesus an seiner Seite. Und Petrus wurde nachhaltig verändert und sein Gehorsamsschritt zum Segen für viele in der Urgemeinde und darüber hinaus. Und bis heute ruft Gott, beruft er noch Menschen zu besonderen Tätigkeiten, die durchaus sehr herausfordernd sein können.
Auch ich fühle mich berufen zum Pastor, zum Pfarrer. Obwohl dies ursprünglich nicht mein Kernwunsch war, sondern erst über Lebenskrisen ich von Gott darauf gestossen wurde. Und er dann dran an mir blieb. Auch als es auf dem Weg nicht immer einfach war. Und ich so vor euch stehe und sagen kann: Ja, Gott ist gut. Und er ist an mir drangeblieben!
Was sind so Kriterien für eine besondere «Berufung Plus»? Wie konnten Paulus und Co. sicher sein, was ihr Platz in dieser Welt ist? Dass sie erkennen könnten, ob es von Gott ist?
Diese Kriterien können dir übrigens auch helfen, deine «normale» Berufung im Leben mit Gott gemeinsam zu finden und ihrer immer gewisser zu werden.
Und wir werden uns diese jetzt noch abschliessend anschauen:
Zunächst: suche die Ruhe im Gebet. Frage Gott: was ist deine vielleicht auch spezielle Berufung im Leben. Und erwarte dann, dass er antwortet. Vielleicht ist es nicht immer das, was du hören willst. Aber prüfe es zumindest, ob es nicht doch so sein könnte. Auch im Gespräch mit Menschen.
Dann: Innerer Friede
Eines der sichersten Zeichen für eine besondere, geistliche Berufung ist ein tiefer innerer Friede. Der Prozess der Unterscheidung und Entscheidung kann viel Unruhe mit sich bringen – aber wenn du Gott schlussendlich dein ‚Ja‘ dazu gibst, was du in deinem Herzen als seinen Plan für dein Leben erkennst, erlebst du einen tiefen Frieden. Du darfst ganz du selbst werden und erfährst einen Frieden, „den die Welt nicht geben kann“ (Joh 14,27).
Und kannst dann mutig vorangehen. Auch wenn die Beine manchmal schlottern...
Es entspricht deiner tiefsten Sehnsucht
Gott gibt uns Sehnsüchte ins Herz. Und möchte uns dadurch auch Wegweisung geben.
Um zu wissen, was du wirklich ersehnst, musst du all die Stimmen hinter dir lassen, die dir sage, was du tun ‚sollst‘, um glücklich zu sein. Vielleicht wirst du dabei auch die Erwartungen anderer enttäuschen.
In der Stille und im Gebet wirst du immer mehr die leise Stimme in deinem Inneren wahrnehmen und den Mut entwickeln, zu vertrauen, dass diese tiefen inneren Sehnsüchte wirklich von Gott kommen.
Mit Gott ist alles möglich
Ein weiteres ‚Zeichen‘, dass Gott dich gerufen haben könnte, ist, dass Schritt für Schritt Unmögliches möglich wird. Offene Türen, nach denen sich weitere Türen auftun.
Wenn Gott dich ruft – wird er dir dann nicht geben, was du brauchst, um seinem Ruf zu folgen?
Das heißt aber nicht, dass immer alles glatt läuft. Manchmal gibt es Hindernisse und Widerstände – innere und äußere. Als Mose, als Paulus Gott sein ‚Ja‘ gab, waren einige Hindernisse zu überwinden .Doch merkten sie: für Gott ist nichts unmöglich (Lk 1,37). Mit meinem Gott kann ich im übertragenen Sinn über Mauern springen, Hindernisse überwinden )(Ps 18,30).
Hingabebereitschaft
Die Haltung der Hingabe spiegelt sich in einem tiefen Vertrauen und einer Liebe zu Gott wider, die über persönliche Interessen und Bequemlichkeiten hinausgeht.
In dir wächst die innere Bereitschaft, den Weg deiner Gottesberufung mit all seinen Herausforderungen zu gehen, im Dienst an Gott und den Menschen. Du willst bewusst nicht einfach dich selbst verwirklichen, sondern für andere Menschen leben und ihnen dienen. Und erfährst dann, wie Gott dir immer wieder Gunst schenkt.
Und schließlich innere Freude
Der Jesuit und Wissenschaftler Pierre Teilhard de Chardin erinnert uns: ‚Freude ist das unfehlbarste Zeichen der Gegenwart Gottes.‘ Das sicherste Zeichen von allen ist fühlbare Freude, die sich auf das ganze Leben auswirkt.
Jesu Gebet für seine Jünger war, dass ‚ meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird.‘ (Joh 15,11). Gott will nichts anderes, als die Fülle der Freude für dich. Darum ist das sicherste Zeichen von allen ein tiefes Gefühl von Freude, dass man nicht für sich behalten kann. Freude ist das klarste und anschaulichste von Gottes Zeichen.“
Ich schliesse: Wir sind nicht alle zu Paulussen berufen. Und vielleicht bist du immer noch am Suchen, was überhaupt dein Ding im Leben ist.
Aber: zwei Berufungen für dich als Christ mindestens gibt es. Ob du es willst oder nicht.
Die eine Berufung: wir sollen alle Zeugen der Liebe und Barmherzigkeit Gottes sein. Die Botschaft von Jesu Rettungsangebot für diese Welt in unserem Ort, in unserer Nachbarschaft, ja Menschen, mit denen wir zu tun haben, weiterzugeben. Durch unsere Worte. Was wir sagen. Und durch das, was wir tun.
Und die zweite Kernberufung: wir sind berufen, Gottes Kinder zu sein. Gott wünscht sich für uns Menschen nichts sehnlicher, als dass alle seine Kinder werden, die gerne in Gemeinschaft mit ihm leben möchten.
Und für jeden, der diese Berufung zur Gotteskindschaft annimmt gilt: es bleibt dann auch so. Trotz allem. Weil Jesus Christus mit seinem Leben dafür einsteht. Um uns kämpft, um uns ringt. Dass wir dieser besonderen Berufung immer gewisser werden. Und dann unser Leben, unseren Beruf, oder unseren Friedens-Platz in diesem Leben finden und einnehmen können. In Übereinstimmung mit unseren inneren Überzeugungen und mit großer Begeisterung.
Amen.