Himmelwärts in der Petruskirche Steinen

- 11.01.2025 - 

Du: ein Selfie Gottes

Himmelwärtsgottesdienst in der Petruskirche Steinen
mit Pfr. Ingo Meißner
 
Predigt: Du - ein Selfie Gottes
(Kolosser 1, 15 - 23)
 
Lieder:
  • SGidH 167: Wir sind hier zusammen (Sei willkommen, Herr) CCLI-Nr.: 5606188
  • FJ Kids 44: Superstar (Gott hat mich in sein Herz geschlossen) CCLI-Nr.: 4971917
  • NL+ 152: Wohin sonst (Herr, wohin sonst sollten wir gehen) CCLI-Nr.: 4681159
  • FJ4 42: Halleluja (Die ganze Schöpfung jubelt dir zu) CCLI-Nr.: 6119076
  • The Lord bless you
CCLi Liedlizenz 5100265

Predigt zu Kolosser 1, 15 - 23 „Du – ein liebenswertes Selfie Gottes“

Himmelwärtsgottesdienst
(11. Januar 2025, Pfr. Ingo Meißner, Evangelische Kirche Steinen)
 
Das Affenbild von vorhin ist lustig – oder: hier ist der Affe nochmal zu sehen.
 
Es gibt ein berühmtes Affenbild und eine Geschichte dazu. Es entstand vor einige Jahren im Dschungel in Südostasien. Ein Tierfotograf war dort unterwegs. Er liess seine Kamera kurz unbeobachtet liegen. Ein Affe ein männlicher Schopfmakake mit dem Namen «Naruto» kam, nahm sich die Kamera, spielte etwa mit ihr herum und machte dann mehrere Bilder, auch dieses Bild von sich. Ein sogenanntes «Selfie».
 
Naruto scheint es irgendwie lustig gefunden zu haben und grinst in die Kamera. So wie wir Menschen es auch machen. Er wollte sich wohl auch von seiner besten Seite zeigen.
 
Und heraus kam eines der lustigsten Tierbilder aller Zeiten.
 
Das Bild verbreitete sich rasend schnell im Internet und es kamen dann irgendwann Fragen auf, wer das Recht an dem Bild eigentlich hätte. Der Besitzer der Kamera, David Slater, reklamierte die Rechte für sich. Die Tierschutzorganisation Peta vertrat dann die Interessen des Affen und sagte, der Affe hätte die Rechte an seinem eigenen Bild und die Einnahmen müssten ihm und seinen Artgenossen zukommen.
 
Über Jahre tobte dann ein Rechtsstreit, bis 2018 entschieden wurde, dass Slater die Rechte am Bild hatte.
 
So weit die Story zu dem Bild. Einem Tierselfie.
 
Jetzt stell dir mal vor, Gott würde sein Handy in die Hand nehmen und ein Selfie von sich selbst machen. Was meinst du, würde man auf diesem Bild sehen?
 
Lasst und mal auf einen Bibeltext hören. Paulus schreibt an die Gemeinde in Kolossä das folgende im 1. Kapitel, die Verse 15-19:
«Christus ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, er war als Erster vor Beginn der Schöpfung da.
Durch ihn ist alles erschaffen, was im Himmel und auf der Erde ist: Sichtbares und Unsichtbares, Königreiche und Mächte, Herrscher und Gewalten. Alles ist durch ihn und für ihn geschaffen.
Denn Christus war vor allem anderen; und alles besteht durch ihn.
Er ist das Haupt der Gemeinde, die sein Leib ist. Er ist der Ursprung allen Lebens, der auch als Erster von den Toten zu neuem Leben auferstand, damit er in jeder Hinsicht der Erste sei.
Denn Gott hat beschlossen, mit seiner ganzen Fülle in ihm zu wohnen.“
 
Also was lesen wir da? Das Ebenbild Gottes ist sein Sohn Jesus Christus!
 
Natürlich wissen wir nicht genau, wie Jesus aussah.
Aber der künstlichen Computerintelligenz (KI) sei Dank, könnte ein Foto von ihm vielleicht so aussehen.
 
Jesus in seiner ganzen Freundlichkeit, Schönheit, Herrlichkeit. Voller Erbarmen und Liebe für die Menschen.
 
Und was wird über diese Ebenbild Gottes, sein Selfie, ausgesagt?
 
Er war schon immer da. Er war an der Schöpfung beteiligt. Wolfang Gehring hatte darüber an Heiligabend gepredigt. Kann man im Internet auf unserem Youtube-Kanal nochmals anhören.
 
Und nicht nur Paulus sagt, dass Vater und Sohn eins sind. Jesus selbst sagt es z.B. im Johannesevangelium:
«Ich und der Vater sind eins» (Joh 10,30).
 
Oder «Wer mich sieht, sieht den Vater» (Joh 14,9).
 
Oder «Und ich habe ihnen – meinen Nachfolgern - die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, damit sie eins seien, wie wir eins sind» (Joh 17,22).
 
Wer mich sieht, sieht den Vater. Oder umgekehrt: wenn wir wissen wollen, wie Gott der Vater ist, können wir auf Jesus, seinen Sohn schauen.
 
Und was sehen wir da? Was hat er gesagt und vor allem vorgelebt?
 
Da war viel Klarheit und Wahrheit. Da war Liebe, da war Annahme. Da war Freundlichkeit. Da war Erbarmen.
 
Ja, es gab auch die strenge Seite Jesu – vor allen Dingen, wenn Menschen sich gottlos verhielten. Da konnte er auch schon mal Klartext reden. Doch immer mit dem Ziel, die Menschen in seine Nachfolge einzuladen, dass sie auch Kinder des lebendigen Gottes werden.
 
Dieser Christus ist eng mit uns verbunden. Eng verbunden.
 
Darüber hatten wir im letzten Himmelwärts gesprochen. Eng verbunden durch die Taufe. Wir sterben symbolisch mit ihm und und leben fortan gemeinsam mit ihm. Gemeinschaft wird konstituiert, wie das Wasserzeichen in einem Brief. Untrennbar mit meinem Leben verbunden.
 
Und dieses in uns eingeprägte Zeichen, muss noch aktiviert werden, damit man er erkennt. Das ist der Glaube.. Wenn wir das, was uns in der Taufe zugesprochen wurde, vertrauensvoll annehmen. Bewusst an Jesus glauben und Taten sprechen lassen.
 
Ein weiterer Ausdruck der engen Verbindung mit Jesus ist das Abendmahl. Wir werden es nachher feiern.
 
Im Abendmahl können wir sehr körperlich sehen und schmecken, wie freundlich der Herr ist. Dass er uns gerne vergibt, wenn es uns leid tut. Dass er ganz für uns und mit uns ist.
 
Aber er ist nicht nur eng mit uns verbunden.
 
Sondern er lebt in uns und möchte uns immer mehr erfüllen.
 
Christus ist in uns, seinen Nachfolgern:
 
Jesus selbst sagt seinen Nachfolgern: „…damit sie eins seien, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir“ (Joh 17,22-23).
 
Und seit den Ereignissen an Pfingsten gilt: Jesus Christus ist als Heiliger Geist in uns erfüllt uns, seine Nachfolger. Nicht mehr nur Einzelne Personen wie zuvor.
 
Sondern für alle Menschen ist die Gabe des Heiligen Geistes möglich geworden. Er erfüllt alle die, die sagen: „Jesus Christus, ewiger Gott und Vater: sei du der Mittelpunkt meines Lebens!“
 
 
Der Gesandte Gottes, der Apostel Paulus kann dann folgerichtig z.B. im Galaterbrief sagen (Gal 5,20): „Darum lebe nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir!“
 
Wir bekommen immer mehr Anteil an ihm und seinem Wesen. Das ist ein Wachstumsprozess. Die Bibel nennt dies auch „Heiligung“:
 
Paulus schreibt den Korinthern (2 Kor 3,18)
„Wir alle aber stehen mit unverhülltem Gesicht vor Gott und spiegeln seine Herrlichkeit wider. Der Herr verändert uns durch seinen Geist, damit wir ihm immer ähnlicher werden und immer mehr Anteil an seiner Herrlichkeit bekommen.“
 
Allerdings spiegeln wir seine Herrlichkeit nur wie ein grob verpixeltes Bild wider: wir tun es schon, aber eben noch nicht  ganz klar. Wir werden erst nach und nach in sein Bild verwandelt.
 
Doch möchte er jetzt schon durch uns hindurch scheinen. Durch dich und mich. Damit andere an und durch uns erkennen, wie Christus wirklich ist.
 
Wir dürfen die Herrlichkeit Gottes für andere wiederspiegeln, Licht für andere sein. Lass dein bzw. besser sein Licht leuchten in deinem Umfeld. Und werde so zu einem lebendigen Zeugnis für ihn.
 
In diesem verpixelten, noch nicht klaren Sinn sind wir sein Selfie.
 
Doch traut er uns das zu. Gott traut dir und mir Großes zu!
 
Und warum traut er uns Großes zu? Warum nimmt er den ganzen Aufwand auf sich, zu uns auf die Erde zu kommen und uns in seine Nachfolge zu rufen?
 
Weil er dich und mich unendlich lieb hat.
 
Weil wir in seinen Augen liebenswert sind! Du bist liebenswert.
 
Nicht weil wir so toll und liebenswert aufgrund unserer Taten wären. Sondern vielmehr dennoch. Trotz dem, was wir immer so tun oder auch unterlassen.
 
Dennoch liebt er uns und betrachtet uns als liebenswert.
 
Jesus sagt (Joh 3,16): „So sehr hat Gott die Welt – also auch dich und mich geliebt – dass er seinen Sohn auf die Erde sandte, der dann für uns litt und starb, damit die gestörte Beziehung zwischen Gott und Mensch wieder geheilt wird“. Durch den Heiland, den Retter der Welt.
 
Wir hören Teil 2 unseres Predigttextes aus dem Kolosserbrief (Kol 1,20-23):
„Auch ihr wart einmal weit weg von Gott, ihr wart seine Feinde durch alles Böse, das ihr gedacht und getan habt. Durch seinen Tod hat euch Christus mit Gott versöhnt. Jetzt steht ihr ohne Sünde und ohne jeden Makel vor Gott. Bleibt nur fest und unerschütterlich in eurem Glauben, und lasst euch durch nichts davon abbringen! Keine Macht der Erde soll euch die Hoffnung dieser rettenden Botschaft rauben, die ihr gehört habt und die überall in der Welt verkündet worden ist. Im Auftrag Gottes sage ich, Paulus, diese Botschaft weiter.“
 
Also: Jesus verlässt die Herrlichkeit, die bei Gott hatte. Und kommt runter zu uns, damit wir zu ihm rauf können. Dies war übrigens ja die Botschaft am ersten Weihnachtstag. Auch bei Youtube nachzuhören.
 
Und: Jesus versöhnt uns mit Gott. Und schenkt uns dadurch eine Hoffnung, die weit über unseren Tod hinaus geht.
Das Unverdient - wir können gar nichts dazu tun.
 
Wie sagt Paulus in Gal 2,20 weiter? „Christus lebt in mir … Damit ich mein vergängliches Leben auf dieser Erde lebe im Glauben an Jesus Christus, den Sohn Gottes, der mich geliebt und sein Leben für mich gegeben hat.“ (Gal 2,20b)
 
Wir sind ein Selfie Gottes. Du bist ein Selfie des lebendigen Gottes. Sein Ebenbild. Und Liebenswert. Weil er dich liebenswert empfindet. Zunächst mal Egal, was du selbst über dich, oder was andere über dich sagen.
 
Das Selfie von dir ist allerdings noch verpixelt. Nicht ganz scharf. Wir sind noch nicht perfekt. Wir machen immer wieder Fehler.
 
Jeder hat seine Ecken und Kanten. Und wenn wir meinen, keine zu haben, muss man nur mal Leute aus unserem Umfeld fragen. Die wissen dann sicherlich mehr über uns zu sagen als wir so meinen…
 
Christus lebt in dir. Er traut dir und mir Großes zu. Durch dich und deine Worte und Taten dürfen und sollen andere Menschen Christus sehen und erkennen.
 
Als sein verpixeltes Selfie, sein Ebenbild, darfst du sein Wesen anderen wiederspiegeln.
 
Auch wenn das Selfie noch verpixelt ist:
Das Selfie wird im Laufe der Zeit immer schärfer, wenn wir im Vertrauen auf ihn die Beziehung zu ihm leben und unser Licht für andere kräftig leuchten lassen.
 
Und: Mit unserer «Verpixeltheit» lädt Gott uns immer wieder in seine Gemeinschaft ein. Täglich, stündlich, minütlich…
 
Das dürfen wir im Abendmahl uns wieder neu zusprechen lassen:
 
„kommt ihr liebenswerten, mühselig und beladenen «Verpixelten» – ich will euch erquicken!“
 
Amen.