Himmelwärtsgottesdienst in der Petruskirche Steinen
mit Pfr. Ingo Meißner
mit Pfr. Ingo Meißner
Freiheit kann klappen
Predigt: „Wen Jesus frei macht, der ist wirklich frei!“ (Johannes 8,36)
„Zur Freiheit hat Christus uns befreit“ (Galater 5, 1)
„Zur Freiheit hat Christus uns befreit“ (Galater 5, 1)
Lieder:
- NL+ 51: Herr, ich komme zu dir (Gib mir ein neues, ungeteiltes Herz) CCLI-Nr.: 4331784
- FJK 43: Volltreffer CCLI-Nr.: 4957869
- FJ5 111: No longer slaves CCLI-Nr.: 7030123
- FJ4 161: Freiheit der Kinder Gottes (Du machst mich frei von kranker Religion) CCLI-Nr.: 4679800
- FJ2 15: Im Herzen ein Lied CCLI-Nr.: 5187834
- FJ3 238: Der Herr segne dich, behüte dich CCLI-Nr.: 4690683
CCLi Liedlizenz 5100265
Predigt zu Galater 5,1: „FKK – Freiheit kann klappen!“
Himmelwärtsgottesdienst
(12. Oktober 2024, Pfr. Ingo Meißner, Evangelische Kirche Steinen)
Wann hast du dich das letzte Mal so richtig frei gefühlt? Schwerelos. Sorgenlos. Wo du Freiheit gespürt hast.
In diesem Gottesdienst geht es ja um Freiheit. Der Apostel Paulus schreibt im Brief an die Menschen in Galatien, einer Region in der heutigen Türkei: «Zur Freiheit hat euch Christus befreit» (Galater 5, 1).
Und Jesus selbst sagt über sich selbst: «wen der Sohn frei macht, der ist wirklich frei!» (Johannes 8, 36).
Aber es gibt so vieles, was uns Freiheit rauben möchte. Was uns die Luft zum Atmen nimmt. Wir haben das eben gesehen. Freiheitsräuber. Dinge, die uns einschränken, die unfrei machen.
Doch sage ich: FKK – Freiheit kann klappen! Mit und durch Jesus!
Wo er lebst du Momente der Freiheit in deinem Alltag?
Vielleicht wenn du wirklich FKK machst? Das Kürzel steht ja etwas provokant auf der Werbung für diesen Gottesdienst. FKK meint «Freikörperkultur». Also nackig unterwegs zu sein. Sich frei zu fühlen. Nicht in Klamotten eingezwängt sein zu müssen. Den Wind um gewissermassen alles Mögliche ungehindert wehen zu lassen…
Ich frage nochmal: Wo erlebst du Momente der Freiheit im Leben?
Mir geht es z.B. so, wenn ich auf einem hohen Berg stehe.
Vor ein paar Wochen war ich aufs Brienzer Rothorn gewandert. Das ist im Berner Oberland. Ich habe dann dort oben die Nacht verbracht, und bin am nächsten Morgen weiter auf dem Brienzer Grat Richtung Interlaken gelaufen.
Was war das für ein Gefühl von Freiheit auf dem Berg – man steht sieht das wunderbare Alpenpanorama.
Eiger, Mönch, Jungfrau und wie die anderen hohen Berge alle noch zu heissen.
Mir geht es in solchen Momenten so, dass da nicht ruhig sein kann. Ich mache dann so ein «Chchaaaa…»- Geräusch. Und breite dabei die Arme aus.
Ich sage dann innerlich oder auch laut: «Danke Herr!»
Doch ganz häufig fühlen wir uns eben nicht so frei.
Was kann uns nun alles so wie gefangen nehmen? Was sind denn solche Freiheitsräuber?
Wodurch lassen wir uns so alles einwickeln, dass wir nicht mehr frei sind, sondern wie eine mit Bindfaden eingewickelte Roulade aussehen und uns auch so fühlen?
FREIHEIT
Das mag überraschen. Doch ein Gefühl von zu großer Freiheit, kann ebenfalls stressen. Mit Freiheit kommt auch die Verantwortung: sich möglichst richtig entscheiden zu können und zu müssen. Aber wenn die Auswahl so gross ist….
Bei jungen Leuten ist die Freiheit den Beruf finden und wählen zu können echt nicht einfach. Die Auswahl ist riesig. Das kann echt anstrengend sein. Vor allem, wenn man sich schwer entscheiden kann… Da bekommt das Wort Freiheit sogar schon mal einen negativen Touch.
Freiheit auch übrigens auch Grenzen. Nämlich: Meine Freiheit endet dort, wo die Freiheit anderer beschnitten wird. Ich kann eben doch nicht alles machen, was ich will.
MACHT
Macht ist die Möglichkeit, Dinge beeinflussen zu können.
Es kann sein, dass du die Macht anderer erfährst und dadurch unfrei wirst:
Wenn der Chef seine Macht ausnutzt und einfach befielt. Eben, weil er es kann. Und wir können oder wollen uns dann nicht wehren.
Macht durch dumme Sprüche, liebloses Verhalten, herabwürdigende Redeweise, lästern hinter meinem Rücken.
VORURTEILE
Meine Vorurteile verhindern, dass ich andere „freigebe“, ich lasse mein Denken von meinen Vorurteilen bestimmen.
Und ich kann dann nicht mehr anders, als in bestimmten Schubladen zu denken.
Oder Ich werde selbst von anderen beurteilt. Stecke in Schubladen fest. Aus denen ich nicht mehr rauskomme. Auch eine Form der Unfreiheit.
EGOISMUS – Das Drehen um sich selber. Ich bin mir selbst genug. Oder höchstens noch meine Familie. Aber der Rest der Welt - kann mir gestohlen bleiben
Funktioniert eine Weile ganz gut. Aber irgendwie und irgendwann brauche ich auch die anderen Menschen wieder. Aber wollen die dann noch mit so einem egoistischen Sack, der ich eben bin, was machen wollen? Dann stecke ich in dieser Vorurteilsschublade fest. Und merke, wie sich meine ursprüngliche Freiheit in etwas belastendes verwandelt.
ICH SOLLTE Da sind meine inneren Antreiber.
Ich sollte, ich müsste doch… Soll ich wirklich? Muss ich wirklich? Oder sind das häufig nur meine eigenen Gedanken?
Mein hohes Verantwortungsgefühl sagt dann: ehe es keiner macht, dann mache ich es eben. Ich springe in die Lücke. Dann mache ich es halt. Und hänge dann in Arbeiten drin, die eigentlich lieber hätte sein lassen sollen. Und ich stöhne irgendwann über der Fülle der so übernommen Aufgaben.
Oder: Meine Hang Dinge möglichst gut , vielleicht perfekt, zu machen, bringt mich dazu, länger und härter als andere zu arbeiten. Aber: wird das wirklich von mir verlangt? Oder ist das eher mein eigener Anspruch und die Ergebnisse wären auch mit nur 80% Arbeitsansatz ausreichend und gut? Auch ein Form der Unfreiheit.
ZWÄNGE
Ja, das Leben kann voller Zwänge sein. Sachzwänge, die ich einfach nicht ändern kann.
Meine Arbeitskollegen, meine Klassenkameraden, meine Nachbarn, oder auch meine Familie kann ich mir in der Regel nicht aussuchen. Ich muss mit ihnen irgendwie leben. Und sie übrigens auch mit mir. Ist nicht immer ganz einfach…
Meine Gesundheit kann mir auch ständig meine Grenzen aufzeigen, wo ich mehr möchte als möglich ist.
Meine finanziellen Möglichkeiten sind auch begrenzt. Und schmerzhaft wird es dann, wenn am Ende des Geldes ist immer noch Monat übrig.
Und auch unsere technischen kleinen Helferlein können uns unfrei machen. Wenn sogar während des Frühstücks das Handy klimpert, weil eine neue Nachricht von einem der vielen Apps reinkommt und man nicht anders kann, als nachzusehen…
LIEBLOSIGKEIT
Wenn andere mich durch ihr Verhalten traurig machen. Runterziehen. Und ich dann den Eindruck habe, da gar nichts machen zu können.
Oder ich verhalte mich lieblos: da fühle ich mich vielleicht anfangs frei, weil ich doch machen kann, was ich will.
Doch im Leben begegnet man sich immer zweimal, wie es so heisst. Und dann bist du hoffentlich nicht abhängig von der Person, die du „damals“ lieblos behandelt hast.
ANGST VOR DEM TOD
Es gibt auch Menschen, die solche Angst vor dem Tod haben, dass es sie lähmt. Sie wollen nicht darüber reden. Nicht wahrhaben, dass es auch mit ihnen mal zu Ende geht. Das ist auch eine Form der Unfreiheit.
Eine weitere Unfreiheit kann sein: die Abhängigkeit von religiösen Regeln, Gesetzen und Traditionen
Nehmen wir die Situation damals der Christen in Galatien, wo Paulus seinen Satz von der Freiheit in Christus steil formulierte.
Damals gab es das religiöse Thema „Beschneidung“.
Ein Teil der jüdisch geprägten Christen sagte: „wenn du ganz Kind Gottes sein willst, dann musst du dich beschneiden lassen, Nur so wirst Teil des Volkes Gottes, wirst sein Kind und bekommst den vollen Segen Gottes ab!“
Paulus sagt: nein, das ist Quatsch. Gott nimmt jeden ohne äußerliche Vorbedingungen als sein Kind an. Allein durch Glauben, allein durch die Taufe geschieht das. Mehr braucht es nicht!
Und auch heute noch können Gemeindetraditionen so bestimmend sein, dass sie geistlich unfrei machen: die bestimmte Form unserer Gottesdienste, die bestimmte Form zu beten, die bestimmte Form das Abendmahl zu feiern usw. UND erst dann, wenn man so oder so glaubt und als Christ lebt, dann ist man wirklich Kind Gottes. Wobei wir durch unsere Traditionen die Regeln definieren…
Immer müssen wir auch heute aufpassen, dass nicht äußerliche Formen uns und andere in ein Korsett zwängen.
Paulus sagt: dann seid ihr Sklaven dieser Gesetze und Regeln.
Aber Jesus Christus möchte uns wirklich frei machen. Freiheit kann klappen. FKK.
„Wen der Sohn frei macht, der ist wirklich frei.“
Wie wirkt sich diese Freiheit aus?
Zunächst: Wir müssen nicht mehr Angst vor dem Tod haben. Wir dürfen frei davon sein. Jesus Christus gibt uns Zukunft und Hoffnung: der Tod hat keine Macht mehr über die, die mit Jesus Christus leben und sterben. Es darf weitergehen in Gottes neuer Welt!
Ein Lied beschreibt es super, wozu wir noch alles frei werden, wenn wir ein Leben mit Jesus Christus an der Seite führen:
Das Lied heisst: „Das ist die Freiheit der Kinder Gottes“
Da heisst es: Das ist die Freiheit der Kinder Gottes, das ist die Freiheit, die du uns gibst.
Und dann wird aufgezählt, wozu wir befreit sind:
„Du machst mich frei, zu staunen wie ein Kind, das aus Vertrauen lebt.“
Wir dürfen vertrauensvoll, zuversichtlich und erwartungsvoll in die Zukunft blicken. Wie ein Kind einfach vertraut, dass es gut wird, wenn Mama und Papa da sind. Gott unser Vater im Himmel wird uns vorangehen.
„Du machst mich frei, zu tanzen wie der Wind, von deinem Geist bewegt.“
Das ist ein Bild von großer geistlicher Freiheit. Wo wir einfach so ins Tanzen kommen und nicht wieder darüber nachdenken müssen, was denkt jetzt der oder die andere so über mich?
„Du machst mich frei, Versagen zu gestehn, zu weinen, wenn es schmerzt. Du machst mich frei, meine Fehler einzusehn, zu lachen über mich selbst.“
Wir dürfen Gott und anderen unser Versagen eingestehen. Müssen nicht unsere Fehler vertuschen. Gott kennt uns eh durch und durch. Und wir dürfen wissen:
unser Vater im Himmel hat uns lieb und haut uns nicht in die Pfanne, sondern vergibt uns gerne.
Wir dürfen auch unsere Gefühle zeigen, wenn wir traurig sind. Müssen auch da keine fröhliche Maske aufsetzen.
„Du machst mich frei zu tun, was mein Herz sagt, auch wenn's andern nicht gefällt.“
Als Kind Gottes darf ich auf mein Herz hören, was ich Gott immer wieder hinhalte und frage: was willst du Herr, dass ich tun soll? Und nicht anderen nach dem Mund reden müssen.
„Du machst mich frei von dem, der mich verklagt, vom Urteil dieser Welt.“
Und wenn andere Menschen mich fertig machen wollen, mich verklagen, dann tut Jesus es nicht. Weil er uns liebt.
Der, der uns immer wieder runterziehen, uns unfrei machen möchte, ist der Widersacher Gottes, der Teufel. Er macht, dass wir uns selbst verurteilen, wir schlecht über uns denken und reden.
Doch Jesus möchte uns auch da wieder aufrichten. Uns liebevolle Gedanken auch uns selbst gegenüber schenken und wir befreit und aufgerichtet wieder weiter laufen können.
„Du lässt uns Freiheit, selbst zu entscheiden, Tod oder Leben, Fluch oder Segen. Du lässt uns Freiheit, dich selbst zu meiden, doch deine Liebe kommt uns entgegen.“
Gott gibt uns die Freiheit, uns sogar gegen ihn entscheiden zu können. Wir müssen ihm nicht sklavisch gehorchen, wenn wir nicht wollen. Er lässt uns die Wahl. Wie grossartig ist das denn?
Wie kann ich nun diese Freiheit ganz konkret entwickeln? So wie wir vorhin die Person wieder ausgewickelt haben?
Erstens: Folge Jesus Christus. Entscheide dich für ein Leben mit ihm. Sag jetzt oder gleich in Gedanken wieder ganz neu oder das erste Mal ja zu ihm. Lade ihn in dein Leben ein, dass er darin wohnen soll.
Und ihm nachfolgen heisst dann: sich immer wieder zu fragen im Leben: was würde Jesus jetzt an meiner Stelle in dieser oder jener Situation tun?
Nimm ihn als Beispiel: Er möchte und er kann und immer neu Liebe, Freude und Barmherzigkeit ins Herz schenken. So hat er es damals getan. Und so ist er noch heute.
Bitte ihn konkret darum, dass seine Liebe, Freundlichkeit und Barmherzigkeit auch dein Herz erfüllt. Und es dann Auswirkungen hat in deinem Umfeld. Auch andere Menschen durch dich Jesus Christi und seine Art kennen- und lieben lernen.
Lies in der Bibel – erlese dir Gottes Güte und staune darüber, wie er an seinen Kindern handelt. Du kannst dann z.B. erfahren, dass er anders handelt als er nach menschlichem Urteil eigentlich handeln müsste!
Denn: auch wenn seine Leute, sein Volk, seine Kinder ihm immer wieder Sorgen und Nöte machen, sich von ihm anwenden – er kann nicht anders als ihnen immer wieder neu zu vergeben. Einfach weil er sie, weil er uns undendlich lieb hat und uns gerne unsere Verfehlungen vergibt, wenn es uns leid tut.
Wir können dann in der Bibel von Jesus Christus lesen, wie er Menschen frei macht, sie ermutigt, ihnen liebevoll begegnet. Und das mit einer „trotz allem“-Haltung. Also obwohl wir so und so sind…
Du kannst dir auch durch Lieder, biblische Texte oder auch andere Menschen sein „ja“ zu dir zusprechen lassen.
Für dich beten lassen. Gleich hier im Gottesdienst. Während der Musikzeit wird das hinten wieder möglich sein.
Halte dich diesem Gott wieder ganz neu hin. Lass ihn machen. Und erlebe eine Freiheit, die nur er schenken kann. Eine Freiheit der Kinder Gottes.
«Zur Freiheit hat euch Christus befreit, damit ihr nicht länger der Sklaven der Furcht oder anderer Unfreiheit seid»
FKK – Freiheit kann klappen! Mit Jesus als Superkraft an der Seite!
Amen.