Himmelwärts in der Petruskirche Steinen

- 13.07.2024 - 

Weisheit aus biblischer Sicht - "Lieber ein weiser Narr als ein törichter Weiser!"

Himmelwärtsgottesdienst in der Petruskirche Steinen
mit Pfr. Ingo Meißner
 
Weisheit aus biblischer Sicht - "Lieber ein weiser Narr als ein törichter Weiser!"
(William Shakespeare)
 
Lesung: Geschichte vom Hausbau
  • Matthäus 7, 24 - 27
 
Lieder:
  • Ich stehe fest auf dem Fels
  • Viele Wege gibt es auf dieser Welt (Weise mir, Herr, deinen Weg) CCLI-Nr.: 4344348
  • FJ4 99: Wohin sonst (Herr, wohin sonst sollten wir gehen) CCLI-Nr.: 4681159
  • FJ2 115: Dein Wort ist ein Licht auf meinem Weg CCLI-Nr.: 5693201
  • FJ2 115: Thy word is a lamp unto my feet CCLI-Nr.: 14301
  • FJ5 180: So groß ist der Herr (Ein König voller Pracht) CCLI-Nr.: 5290068
CCLi Liedlizenz 5100265

Predigt zu Weisheit, oder: „Wie kann ich zu guten Entscheidungen kommen?“

Himmelwärtsgottesdienst, Thema „Weisheit aus biblischer Sicht“
(13. Juli 2024, Pfr. Ingo Meißner, Petruskirche Steinen)
 
"Besser ein weiser Narr als ein törichter Weiser" In diesem Zitat von William Shakespeare steckt viel "Lebensweisheit", auch wenn sich der Mottosatz für heute irgendwie verdreht anhört. Da muss man erst mal drüber nachdenken, wie das wohl gemeint ist.
Man könnte es z.B. in diese Richtung deuten: Wenn der Weise sich was auf seine Weisheit einbildet und überheblich wird und zu schnell seinen Senf überall dazu gibt, dann kann der Schuss schnell nach hinten losgehen und er eckt an. Keiner will was mit dem Besserwisser zu tun haben. Auch wenn er vielleicht noch so recht hat. Das richtige Wort zur falschen Zeit oder auf die falsche Weise kann negative Auswirkungen haben. Und so macht er sich zum Narren. Er ist dann ein „törichter Weiser“.
Oder umgekehrt der „weise Narr“: Wer klug und weise ist, der geht nicht mit seiner Meinung hausieren, sondern wartet auch mal, bis er gefragt wird. Vor allem wenn er vermutet. dass nicht der richtige Zeitpunkt für ein weises Wort da ist. Wenn z.B. die Emotionen zu aufgebracht sind als dass man für vernünftige Argumente empfänglich ist. Dann ist es besser vielleicht auch mal weiser als einer zu erscheinen, der nichts zu sagen hat. Dem andere kein weises Wort zutrauen.
Also: Lieber einmal zu viel schweigen und erst dann reden, wenn es wirklich gehört wird als zu allem und jeden gleich zu reden und als Vielredner oder gart Besserwisser zu erscheinen. Und weise ist dann der, der hier den richtigen Zeitpunkt zum Reden und zum Schweigen findet.
 
Damit sind wir schon mitten im Thema „Weisheit“. Weisheit kann man haben, oder man kann sie auch erlangen. Und dann ist man weise.
 
Warum braucht es eigentlich auch heute noch so etwas wie Weisheit? Wir haben immer wieder mit Entscheidungssituationen zu tun. Wir haben vorhin zu Beginn des Gottesdienstes eine ganze Reihe dieser Entscheidungsfragen gehört.
 
Und mit Lebensfragen ist es im Bild gesprochen so:
Du bist im Leben unterwegs und wanderst so fröhlich und frei auf dem Wanderpfad. Nun kommst du an ein Wegkreuz oder eine Weggabelung. Verschiedene Wege sind möglich. Du weisst im Augenblick nicht, was der für dich richtige Weg ist.
Und dann ist guter Rat teuer. Bevor du nun in die falsche Richtung läufst, braucht du Weisheit und Erkenntnis, was der „richtige“ Weg ist.
Welche Strategien kann man da anwenden, den richtigen Weg zu finden?
Du schaust auf deiner Karten-App, wo du bist, du fragst andere nach dem richtigen Weg, man läuft mal los und schaut, wo man landet und muss dann vielleicht auch wieder umdrehen… Was auch immer.
 
Im Leben gibt es viele Situation, wo wir Weisheit brauchen, weil wir an so einer Weggabelung stehen und nicht wissen, wie es weitergehen soll.
 
Mal ein Beispiel für Ringen um Weisheit in der Berufswahl:
Damals in der Schule, seit der Oberstufe, war mir klar: ich will später was mit Marketing machen. Und entsprechend BWL studieren und dann Karriere machen. Damals dachte ich mir: es ist klug, wenn ich erstmal zum Bund gehe und meinen Militärdienst, absolviere, dann eine kaufmännische Ausbildung mache, um dann später bei Bewerbungen mit meinem Lebenslauf in der freien Wirtschaft glänzen zu können.
Ich ging es also genau so an. Alles verlief nach Plan. Als ich dann jedoch das erste Semester in Frankfurt mit BWL begann, merkte ich schnell: ich habe mir über viele Jahre was vorgemacht. Das Studium hat mir nicht zugesagt. Ich empfand es zusehends als falsch, weiter zu studieren. Es war für mich klar – dieser Weg ist der falsche für mich. Und ich hörte dann konsequenterweise auf.
Nun war guter Rat teuer -welchen Weg soll ich nun einschlagen? Hier war nun Weisheit, eine weise Entscheidung gefragt. Doch wie zu dieser Erkenntnis, dieser weisen Entscheidung zu kommen?
 
Davon erzähle ich euch später…
 
Nur so viel: eine der Zutaten zu Lösung, waren weise Menschen in meinem Umfeld.
 
Damit sind wir bei einer Zutat, zu weisen Entscheidungen zu gelangen: nämlich andere zu fragen, wenn ich nicht weiterweiß.
Es gibt diese Menschen, die stets einen weisen Rat bereit haben. Ich meine jetzt nicht die altklugen Besserwisser. Von denen fällt es schwer, einen Rat anzunehmen.
Es braucht da er so „Eule Eulalia-Typen“. Wie die vorhin aus dem Hörspiel. Diese Eulalia-Typen – männlich wie weiblich – weisen einige Merkmale auf:
Sie sind in der Regel besonnen und zurückhaltend. Sagen nicht immer gleich und überall, was sie denken. Sie hören erstmal gut zu, bevor sie eine Meinung äußern.
Dann ist es durchaus bei Eulalia-Typen zu beobachten, dass sie mit eher tiefer, ruhiger Stimme und auch eher langsam sprechen. 
Dann haben diese Eulalia-Typen in der Regel ein gewisses Lebensalter. Lebensalter geht einher mit Lebenserfahrung, mit Erfahrungswissen. 
Da hat man nämlich viele gute, aber auch schon viele schlechte Erfahrungen im Leben gemacht. Und im Idealfall auch draus gelernt. Und von diesen Erfahrungen können diese Menschen dann erzählen und weisen Rat anderen geben. 
Und wenn die Person eine ist, die aus dem Glauben an Gott heraus lebt, Gott als wesentlichen Lebensfaktor mit berücksichtigt, sich von ihm getragen und begleitet weiß, dann ist zumindest für mich diese Person, eine, zu der ich gerne gehe und um Rat frage.
 
Damit sind wir beim Aspekt Glaube und Weisheit. Oder auch: Gott als Quelle von wahrer Weisheit und Klugheit. Oder auch: klug und weise ist der oder die, die sich auf Gott verlässt.
 
Schauen wir uns jetzt einige Stellen in der Bibel zum Thema Weisheit an. Welche Hinweise gibt da die Bibel?
Zunächst mal:  
Gott ist der Urheber von Weisheit. Von ihm kommt sie. 
Er hat den ultimativen Durchblick. Er ist der Schöpfer der Welt. Auch von mir und dir. Er kennt mich und dich durch und durch. Ps 139: Schon im Mutterleib hast du mich gebildet. Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir. Er kennt deine Vergangenheit, deine Gegenwart und deine Zukunft.
 
Von Jesus haben wir vorhin das Gleichnis vom Hausbau gehört (Mt 7,24-27). Er sagt da: Weise / klug ist der Mann, der sein Haus auf Fels baut. Quasi als letzter guter weiser Rat.
Der Rat ist der: setz dein Vertrauen auf Gott, den Vater im Himmel. Vertraue ihm und handle nach seinen guten Lebensregeln.
Wie klug und weise es ist, sich auf Gott zu verlassen, und von ihm Weisheit in verschiedenen Lebenssituation zu erbitten und auf ihn zu hören, ist ein gängiges Motiv in Altem wie Neuem Testament.
 
Da gab es den Hiob. Leidgeprüft. Mir Freunden, die ihn mit gutgemeinten Ratschlägen und weisen Worten mal ermutigen, mal ins Gewissen reden wollen. Aber gut gemeint ist nicht gut gemacht. Siehe vorhin die Rede von weisen Wort zur richtigen Zeit, oder zur Unzeit. Der Rat hilft Hiob nicht wirklich. Menschliche Weisheit kommt da an ihre Grenze.
Er braucht letztlich Gott. Nur bei ihm ist weiser Rat zu finden, auch in den Fragen, die Hiob beschäftigen. Er braucht Gottes Weisheit, sein Eingreifen, seine Antworten. Denn, so sagt er (Hiob 12,13): „Bei Gott ist Weisheit“.
Ohne ihn ist die Schöpfung gewissermaßen schnell erschöpft. 
 
Für einen Menschen wie Salomo, eine andere biblische Gestalt, war das auch völlig klar.
Zu Beginn seiner Regierungszeit bittet er Gott vor allem um Weisheit, die richtigen Entscheidungen treffen zu können.
Und Gott schenkte ihm davon reichlich und König Salomo wurde für seine von Gott geschenkte Weisheit berühmt.
Er galt auch großer Weisheitssammler. So wird ihm das Buch der Sprüche zugesprochen. Dort befinden sich Lebensweisheiten am laufenden Meter, die Salomo selbst formulierte, oder auch von anderen weisen Menschen sammelte.
 
Ganz zu Anfang des Sprüchebuchs steht gewissermassen als Überschrift (Spr 1,7): „Alle Erkenntnis beginnt damit, dass man Ehrfurcht vor dem Herrn hat. Nur ein Dummkopf lehnt Lebensweisheit und Selbstbeherrschung ab.“
 
Also: Alle Erkenntnis, alle Weisheit beginnt damit, mit Gottes Realität in meinem Leben zu rechnen. Ihn in mein Leben und meine Entscheidungen mit einzubeziehen.
 
Nehmen wir noch das biblische Buch „Prediger Salomo“.
In diesem Bibelbuch wird über viele Lebensthemen ausführlich nachgedacht, Handlungsempfehlungen gegeben.
Doch auch hier – diesmal als allerletzter Vers, als weise Erkenntnis, als „Hauptrat“, das Fazit (Pred 12,13-14): „Zu guter Letzt lasst uns das Wichtigste von allem hören: Begegne Gott mit Ehrfurcht, und halte seine Gebote! Das gilt für jeden Menschen.
Denn Gott wird Gericht halten über alles, was wir tun - sei es gut oder böse -, auch wenn es jetzt noch verborgen ist.“
 
Ich lese nochmal die einleitenden Worte vom Hausbaugleichnis am Ende der Bergpredigt: „Wer diese meine Worte hört und tut, der gleicht einem klugen Hausbauer…“
 
Gott kennen, mit ihm rechnen, ihn respektieren, achten, ihm ehrfürchtig begegnen und Seine Gebote halten. Das ist Lebensweisheit pur. Und hat Auswirkungen bis in die Ewigkeit hinein. Weit über unseren Tod hinaus.
Ihm 
 
Bei wem ist also in erster Linie Weisheit zu suchen zu finden? Bei Gott.
 
Jakobus, vom dem sich im neuen Testament ein Brief an diverse Gemeinden befindet, hat hält auch gleich zu Beginn in Kap. 1 Vers 5 fest: „Wenn es jemandem von euch an Weisheit fehlt, soll er Gott darum bitten, und Gott wird sie ihm geben. Ihr wisst doch, dass er niemandem seine Unwissenheit vorwirft und dass er jeden reich beschenkt.“
 
Dies ist übrigens eines meiner „Standardbitten“ an Gott, dass er mit Weisheit in dieser und jener Frage geben möge. Dass ich vom ihm Antwort auf verschiedene Lebensfragen bekomme. So bete ich für mich persönlich, aber auch in Sitzungen, wenn wir zu Beginn beten. Wir bitten um seine Weisheit in den anstehenden Fragen.
 
Manchmal braucht es aber anscheinend auch erst Krisenzeiten im Leben, wenn wir mit dem eigenen Latein am Ende sind…damit wir uns vertrauensvoll an Gott wenden und um seinen weisen Rat bitten.
 
Wie war das bei mir, als ich mit meiner Karriereplanung an das Ende kam?
Ich begann erstmals Gott im Gebet zu fragen: Herr, was willst eigentlich du, was ich machen soll? 
Ich erwartete also von ihm her ein Wort der Weisheit.
Es kam nicht sofort. Aber nach einiger Zeit (ich weiss nicht mehr ob es Tage oder Wochen waren), hörte ich während einer Zeit mit Gott ganz klar eine innere Stimme, die sagte: „Mach was mit Theologie“. Dieser eine Satz. 
Ich hatte zuvor nie in meinem Leben mit dem Gedanken gespielt. Ich habe auch keine Verwandten, die Theologen sind. Ja, ich war Christ und ging in eine Gemeinde. Doch deswegen wird man noch lange nicht Theologe.
War das wirklich Gottes Reden? Ich begann die Sache zu prüfen: ich fragte meine Eltern. Sie konnten es sich bei mir vorstellen. Ich fragte Freunde. Und bekam nur Zustimmung. Das war mir nicht genug. Ich fragte einen damaligen Pastor, zu dem ich ein Vertrauensverhältnis hatte und der mich auch kannte, wie er es sieht. Und auch hier nur Zustimmung. Ok, dann musste ich jetzt annehmen, dass das Gott wirklich gesprochen hatte.
Das Nächste, was es zu prüfen galt, welchen Bildungsweg soll ich beschreiten. An einer freikirchlichen Bibelschule oder an der Uni? Hatte beides seine Vor- und Nachteile. In meinen Kopf hatte ich eine Art Pro- und Contra-Liste erstellt.
Doch kam ich in der Frage nicht weiter. Bis ich sagte, jetzt gehe ich einfach mal einen Schritt und probiere aus, wohin es führt. So beschloss ich mal ein Wochenende in einer Bibelschule mitzuleben. Danach war für mich glasklar – das wollte ich auf keinen Fall. Ein Studienschnuppertag an der Uni-Mainz brachte dann Klarheit. Ja, da spürte ich Freiheit, Weite und hatte ein sehr gutes Bauchgefühl. Und wusste dann: Gott möchte auf diesem Weg haben. Und er bestätigte es durch z.B. Studienerfolg.
 
Es waren verschiedene Faktoren, die mir geholfen haben, zu einer weisen Richtungsentscheidung zu kommen.
 
Und das möchte euch heute auch als Tipp noch kurzgefasst mit auf den Weg geben.
 
Also: Was kann ich tun, um zu Weisheit und Klarheit in einer bestimmten Fragestellung zu gelangen?
 
Die Grundvoraussetzung ist: Traue Gott zu, dass er dich kennt, sieht und weiß, was gut für dich ist. Er hat einen guten Plan mit deinem Leben. 
 
Beziehe Gott mit ein - frage ihn und erwarte, dass er dir Antworten gibt.
 
Die Antwort kann erfolgen durch ein Wort von ihm, also eine innere Eingebung, ein Geistesblitz. Die Antwort kann erfolgen durch Freunde, die du um Rat fragst. Es kann sein durch eine Bibelstelle. Es kann eine Eingebung beim Lesen von Büchern, beim Schauen von Filmen, während eines Gesprächs, während eines Konzerts, während eines Gottesdienstes, während eines Spaziergangs und so weiter und so weiter sein.
 
Wenn du merkst, du möchtest Gott gerne mit einbeziehen und dir fehlen die richtigen Worte: dann sei dir gewiss, dass Gott auch dein Wortgestammel versteht. Oder: du kannst auch andere für dich beten lassen. Dass sie für dich Gott um Weisheit bitten. Die Möglichkeit wird es auch nachher wieder während der Musikzeit hinten bei Ausgang geben.
 
Ja, frage auch vertrauenswürdige Personen um Rat. Und wenn dir eine Person nicht ausreichend Klarheit gibt, dann frage auch andere, damit sich ein Meinungsbild bei dir immer mehr verdichtet.
 
Erstelle eine Pro- und Contra-Liste. Was spricht für den einen Weg – was für den anderen? Und schau, ob sich dadurch eine Richtung abzeichnet.
 
Geh einfach mal „vorwärts“ in der Erwartung, dass dann Klarheit kommt. Ein Fahrzeug lässt sich viel leichter steuern, wenn es in Bewegung ist. Bitte um Gottes Leitung, wenn du einfach mal was ausprobierst. Und wenn dich der Weg in eine Sackgasse führt? Wenn es so nicht klappt? Dann hast du eine Erkenntnis gewonnen, dass es so eben nicht geht. Und falls es ein Fehler war, dann kannst aus diesem für die Zukunft lernen.
 
Höre auf dein Bauchgefühl: damit liegst sehr häufig richtig. Es gibt diese Situationen, wo du genau merkst: das oder jenes sollte ich jetzt tun oder nicht tun. Du kannst es nicht erklären, aber du merkst einfach, dass das oder jenes jetzt dran ist und es sich gut anfühlt, wenn du in diese Richtung gehst.
 
Alles gute Tipps, wie man zu weisen Entscheidungen kommen kann.
 
Wir haben es euch auch auf kleine Zettel geschrieben, die ihr als Merkhilfe später am Ausgang bekommt und mit nach Hause nehmen könnt. 
 
Und wie gesagt: du kannst wieder für dich während der Musikzeit gleich für eine Anliegen hinten beten lassen.
 
Wie gelange ich also zu weisen Entscheidungen im Leben?
 
Hören wir abschließend nochmal auf Jakobus:
 
„Wenn es jemandem von euch an Weisheit fehlt, soll er Gott darum bitten, und Gott wird sie ihm geben. Ihr wisst doch, dass er niemandem seine Unwissenheit vorwirft und dass er jeden reich beschenkt.“
 
Amen